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DIE TUSCHMALEREI IN OST ASIENEs ist iceine Willkür, die Tuschmalerei von der übrigen ostasiatischen Malerei zu sondern; denn sie ist wirklich eine Kunst eigener Art, nicht bloß weil sie auf das Hauptmittel der gewöhnlichen Malerei, auf die Farbe, verzichtet, sondern mehr noch weil sie ihr beschränktes Material in einem eigenen Geiste verwendet. Manchen Ostasiaten gilt die Tuschmalerei als der höchste Gipfel ihrer ganzen Kunst; sie ist jedenfalls nicht der zugänglichste. Selbst in ihrer Heimat ist sie niemals volkstümlich gewesen. Gerade in ihrer besten Zeit und Form war sie eine esoterische Kunst, die innerhalb eines verhältnismäßig kleinen Kreises gepflegt und genossen wurde. Und dieser Kreis hat sich seitdem eher verengert als erweitert. Schon der nüchterne, realistische und utilitaristische Konfuzianismus, der unter den Mandschu-Kaisern das chinesische und unter den Tokugawa-Shogunen das japanische Geistesleben beherrschte, ist der mystischen Stimmung, welche die Lebensluft der alten Tuschmalerei war, nicht günstig gewesen, und vollends seitdem der Einstrom europäischer Wissenschaft und Industrie das ostasiatische Leben in eine andere Bahn und in ein anderes Tempo gerissen hat, finden nur noch wenige die Muße und die Lust, sich in die stille Tiefe dieser Kunst zu versenken. Wenn trotzdem auch heute noch viele sie als die edelste Art ihrer Malerei rühmen, so wird sich kein Kenner des modernen ostasiatischen Wesens darüber täuschen lassen, daß an dieser Schätzung der Respekt vor einer alten Bildungstradition mehr Teil hat als eine lebendige Liebe zur Tuschmalerei.Man darf kaum erwarten, daß diese Kunst, die nichts weniger sucht als weite und laute Wirkung, in der Fremde mehr Freunde finden sollte als in ihrer Heimat. In Europa fehlen dafür auch fast alle Bedingungen. Die Schönheit jedes ostasiatischen Kunstwerkes leidet in europäischen Räumen; aber keines verliert in der fremden Umgebung mehr als das Tuschbild, das, für die Einsamkeit und die Dämmerung des Tokonoma bestimmt, in der Helle und Fülle unserer Zimmer so wenig zur Geltung kommt, wie ein stiller vornehmer Mensch in einer lärmenden Schenke. Allerdings würde sich bei einigem guten Willen, besonders in Museen, ein besserer Rahmen herstellen lassen; aber nicht so leicht sind die geistigen Bedingungen zu schaffen, die für die rechte Wirkung solcher