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VORWORTWas bringt dieser Band Neues? Wodurch unterscheidet er sich von ähnlichen Versuchen? Auf diese berechtigten Fragen ist die kürzeste Antwort: durch eine einzige, nicht willkürliche, sondern unumgänglich notwendige Wortsinn- und BegriffserWeiterung, die weittragende Folgen hat. Das Wort alternativ oder Alternative wird hier nicht mehr auf wechselweise" oder Wahl zwischen zwei Fällen" im Sinne eines Entweder-Oder beschränkt, sondern bezieht sich auf eine Mehrheit von Möglichkeiten, von denen jeweils eine gewählt werden kann. Die Erweiterung des Wortsinnes empfahl sich gegenüber der Einführung einer künstlichen Neubildung, nicht nur weil die entsprechende Erweiterung sich im angelsächsischen Sprachkreis längst durchgesetzt hat, sondern auch weil sie dem heutigen Stand der Wissenschaften entspricht. So schwer es ist, eine jahrhundertealte Sprach- und Denkgewohnheit zu ändern, so unerläßlich ist es hier; denn fast immer stehen uns mehrere Möglichkeiten offen, die wir künstlich auf zwei reduzieren. Bourgeoisie oder Proletariat, Faschismus oder Kommunismus? Hätten diese dogmatischen Alternativen, die sofort alle anderen Zwischenlösungen ausschlössen, nicht unser Jahrhundert beherrscht, so wäre unbeschreibliches Elend Millionen von Menschen erspart geblieben.Seit der Entdeckung der nicht-euklidischen Geometrien sind alternative Geometrien und alternative Logiken eine Tatsache und alternative Mathematiken, Physiken, Biologien und Psychologien auf dem Wege, Tatsachen zu werden. Dieser Tatbestand wird hier anerkannt und für die Philosophie fruchtbar gemacht. Wie das im einzelnen geschieht, wie der Gedanke der Mehrwertigkeit die Aufgaben einer Enzyklopädie, der Geschichte der Philosophie und der Philosophie selbst umgestaltet, kann hier nidrt vorweggenommen werden. Zur Vermeidung von Mißverständnissen muß jedoch folgendes bemerkt werden.Der Haupttitel Die Philosophie im 20. Jahrhundert" kündigt nicht eine umfassende Chronik der geradezu unübersehbaren philosophischen Veröffentlichungen dieser Zeit an. Er ist vielmehr zu verstehen als Schicksal und Aufgabe der Philosophie im 20. Jahrhundert", wie es sich aus der bisherigen Gesamtentwicklung des philosophischen Denkens und aus der besonderen geschichtlichen Situation der Kultur, des Geistes und der Wissenschaften ergibt. Daraus erklärt es sich, daß von dieser Perspektive aus das rein Persönliche und die einzelnen Philosophen zurücktreten. Es handelt sich lediglich um die Sache der Philosophie und nicht etwa darum,V