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Dénes Zoltai - Budapest
DIE PROBLEMATIK DER BÜRGERLICHEN GESELLSCHAFT IN DER HEGELSCHEN ÄSTHETIK UND BEI DEN ROMANTIKERN
Es bedarf kaum des Beweises, daß im Kategoriensystem Hegels dem Begriff vom Maß ein bevorzugter Platz gebührt, und zwar nicht nur in der Logik selbst, wo er als Wechselseitigkeit quantitativer und qualitativer Beziehungen bestimmt worden war, sondern auch in dem mit'dem Logischen eigenartig verwachsenen Ontologischen selbst. Dagegen ist weniger bekannt und weniger erforscht die Geltendmachung der genannten Kategorie in jeinem Glied des Systems, das insbesondere für uns Marxisten so viel Lehrreiches enthält: in der Kunstphilosophie. Allerdings wird sich derjenige, der bloß für das nominale Vorkommen Interesse hegt, enttäuscht fühlen: man sucht vergebens den Begriff vom Maß selbst in der Reihe grundlegender Termini technici der Vorlesungen über die Ästhetik. Hegel dürfte irritiert gewesen sein durch jene Nuance der Bedeutung, welche das Wort in der Kunstauffassung des französischen Klassizismus erhalten hat: durch die des Maßhaltens, der Zurückhaltung, Diszipliniertheit. In sachlicher Hinsicht aber wurde dem Maß - als der spezifischen Einheit quantitativer und qualitativer Bestimmungen - zweifellos eine überaus wichtige Rolle in der Hegeischen Strukturanalyse des Ästhetischen zugeteilt. Man denke nur andieSchlüs-selbegriffe der Vorlesungen über die Ästhetik, wie das Ideal, der Charakter oder das Pathos. Es gehört zuihrem Wesen jene letzte Harmonie, welche die Integrität des Ästhetischen auch dort erfordert, wo die zum Gegenstand der Darstellung dienenden Lebensfakten an sich dissonant, von der Negativität beherrscht sind. In der Tat könnte das Maß bei Hegel nahezu das Synonym der ästhetischen Harmonie sein; ohne seine konstitutive Anwesenheit läßt sich Kunstschönes überhaupt nicht vorstellen. Was über kein Maß verfügt, das vermag laut grundlegender Konzeption der Hegeischen Ästhetik etwa erhaben zu sein, aber keineswegs schön im wahren Sinne des Wortes; darum bleibt für ihn die symbolische Kunst des alten Orients bloß eine Vorkunst, darum überschreitet die sogenannte romantische Kunstform des Mittelalters und der Neuzeit die Schwelle der eigentlichen, ästhetisch idealen Schönheit.
Das Maß ist in dieser ästhetischen Konzeption per definitionem ein menschliches Maß, homo mensura; es setzt ein Menschenbild voraus, dessen wesentliche Merkzeichen die Totalität, die vielseitige Entwicklung, die Freiheit und die Harmonie sind. Ein jeder vermag darin
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