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Am 24. Mai 14.30 wird die Pucelle vor Compiegne gefangengenommen. Mgr. de Luxembourg, dessen Haufe zu diesem Zeitpunkt für den Herzog von Burgund operiert, verkauft seine Beute. Die Engländer sind sofort als Abnehmer zur Stelle, bieten sechstausend, dann zehntausend Francs. Ein hohes, aber nicht übertriebenes Lösegeld. Feldherren, die eine starke Kompanie anführen, sind damals sehr teuer: diese Summe entspricht sämtlichen Kosten der Belagerung von Louviers. Folglich braucht es Zeit, eine solche Menge Goldstücke aufzutreiben. Im September müssen die Staaten der Normandie einer Sonderhilfe zustimmen, für den Kauf von Jeanne der Pucelle, von der es heißt, sie sei eine Hexe, eine Kriegsperson, die das Heer des Dauphins anführt. Um Johanna zu bekommen, hätten die Engländer jeden Preis gezahlt.
Muß man daran erinnern, daß das Königreich Frankreich in jener Zeit dreifach geteilt ist? Der erste Bruch liegt schon lange zurück. Armagnacs und Burgunder: zwei Fürstensippen, die sich im Umkreis des geisteskranken Karl VI. um die Vorteile der Macht streiten; zwei Morde: an Herzog Ludwig von Orléans 1407 und an Herzog Johann von Burgund 141g; zwei unversöhnliche Feindschaften: Philipp von Burgund, der neben dem Herzogtum im Königreich noch Flandern und Artois besitzt und ganz Paris beherrscht, ist der Todfeind der »Armagnacs«, der Mörder seines Vaters, die ihrerseits das Land der Loire, die Südprovinzen und auch Karl in der Hand haben, den Sohn des wahnsinnigen Königs, der bald Kronerbe geworden ist, den Dauphin. Zweiter Bruch: die Unordnung nutzend, beginnt Heinrich V. die Normandie zu erobern, erringt in Azincourt (141 5) einen entscheidenden Sieg; nach 141g unterstützen ihn die Burgunder vorbehaltlos. 1420 wird der Dauphin durch den Vertrag von Troyes enterbt, Heinrich V. heiratet eine Tochter Karls VI., ihr Sohn soll König von Frankreich werden. Was 1422 auch geschieht, als Heinrich V. und wenige Monate später Karl VI. sterben. Seitdem geht der Krieg weiter mit kleinen, örtlichen, unterbrochenen Kämpfen, denn er verschlingt gewaltige Summen; die Fürsten halten sich fern; er wird von Abenteurern geführt, die auf Kosten des Gegners ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, so gut es geht, sowie den von ein paar Hundert, ein paar Dutzend Männern, die ihnen Gefolgschaft leisten. Denjenigen, die für den Herzog von Bedford, den Regenten von Frankreich, arbeiten, gelingt es jedoch, sich Stück für Stück der Besitzungen Karls von Orléans zu bemächtigen, des Dichters, der seit Azincourt ein Gefangener