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DER BRIEF
D ie Sonne stürmte über die hingebreitete Stadt und ri sie gewaltsam aus der Winterstarre. Peking sprang auf wie eine rosa Päonie, seine Tore und Türme ragten wie samenspendende Stempel aus dem leuchtenden Kranz der rot getünchten Mauern, die sich hier und da, Blütchen in der üppigen Blüte der Stadt, zum engeren Ring eines Palastes zusammenschlössen. Vergoldenden Lichtstaub strahlten die tiefgelben Ziegeldächer ins Gewirr der Straßen. Die grauen Hütten der Kulis schütteten eine vergnügte Fülle runder Kinder aus. Noch hatte sich das Grün der Bäume und Sträucher nicht eingemischt in die bunte Pracht der Bauwerke, doch bald begann die Natur kräftig im Farbenspiel zu wetteifern.
Die Pekingbewohner schlüpften aus ihren wattierten Mänteln wie Schmetterlinge aus ihren Larven — junge Mädchen und Frauen stolzierten in bunten Gewändern unter den kahlen Akazien und blinzelten verschämt die Sonne an.
Übergangslos war die alte Kaiserstadt, hingelagert zwischen den aufsteigenden Wellen der Westberge, in der fruchtbaren Ebene des Yung Ting Ho, im letzten Anhauch den Sandstürmen der Wüste Gobi erreichbar, vom Winter zum Sommer geraten und des süßen, langsamen Frühlings beraubt.
Der dürre, hochbeinige Greis Niu schwitzte und fluchte, die wattierte, vielfarbig geflickte Jacke hing schwer von den eingesunkenen Schultern. In einem durchlöcherten Bambuskorb trug er sorgsam verpackt die Pillen und Medizinen, die sein