Bővebb ismertető
Vorwort der HerausgeberDas Schwergewicht dieser Edition, in der die SitzungsprotokoUe der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion von 1898 bis zum Ende des Kaiserrreichs 1918 unverkürzt veröiFentlicht werden, liegt auf der Zeit des Ersten Weltkrieges. Das gilt sowohl für den äußeren Umfang der Dokumentation als auch für ihre inhaltliche Ergiebigkeit und Aussagekraft. Für die Kriegsjahre bot sich auch die Möglichkeit, die offiziellen Fraktionsprotokolle in erheblichem Maße durch andere Überlieferungen zu ergänzen. Die wichtigsten dieser Parallelüberhefe-rungen, nämlich das soeben als Band 4 der Quellen publizierte Kriegstagebuch Eduard Davids und die Memoiren Wilhelm Dittmanns, deren Veröffentlichimg das Internationale Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam, vorbereitet, sind allerdings nur ziu: Kommentierung herangezogen worden. Doch wurde die Bearbeitung aller drei Editionen, soweit sie sich auf die Zeit des Krieges erstrecken, von vornherein aufeinander abgestimmt. Zusammengenommen dürften sie für die Erforschung der sozialdemokratischen Kriegspolitik und der Auseinandersetzungen innerhalb der Fraktion, die im Frühjahr 1916 zur Spaltung führten, sich aber auch nach dem Ausscheiden der Dissidenten in der Mehrheitsfraktion fortsetzten, eine neue QueUenbasis schaffen. Daß die Erschließung dieses Quellenkomplexes nicht nur der engeren parteigeschichtUchen Forschung zugute kommt, sondern darüber hinaus unsere Kenntnis der innenpolitischen Entwicklung Deutschlands im Ersten Weltkrieg, die im untrennbaren Zusammenhang mit der neuerdings ins Kreuzfeuer der wissenschaftlichen Diskussion geratenen Frage der deutschen Kriegsziele" steht, bereichert, braucht kaum betont zu werden. Was diesen Aspekt betrifft, schließen sich die Fraktionsprotokolle ebenso wie das Tagebuch Davids unmittelbar an die Editionen Der Interfraktionelle Ausschuß 1917/18" und Die Regierung des Prinzen Max von Baden" an, mit denen unsere Quellenreihe eröffnet wurde.Viel weniger ergiebig als die Protokolle aus den Kriegsjahren erscheinen auf den ersten Blick die der Vorkriegszeit, bei denen es sich ausnahmslos um typische Beschlußprotokolle handelt, die sich in ihrer Sprödigkeit auch dem wissenschaftlichen Benutzer nur schwer erschließen. Doch ergibt sich bei genauerer Prüfimg, daß auch diese Protokolle trotz ihrer Lückenhaftigkeit und Unzulänghchkeit eine wertvolle und unersetzbare Quelle darstellen, die neue Erkenntnisse auf sonst vernachlässigten Gebieten der parlamentarischen Geschichte verspricht. Ihre Publizierung empfahl sich um so mehr, als Protokolle von Fraktionssitzungen eine bisher von der Forschung kaum genutzte Quellengattung sind. Nicht zuletzt deshalb lag es für die Kommission nahe, sich besonders intensiv um die Überlieferungen der Reichstagsfraktionen zu bemühen. So wird in Fortsetzung der vorliegenden Edition eine Ausgabe der Sitzungsprotokolle der sozialdemokratischen Nationalversammlungsfraktion erscheinen. Weiterhin veröffenthcht die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der poUtischen Parteien demnächst gemeinsam mit der Kommission für Zeitgeschichte bei der Katholischen Akademie in Bayern eine von Rudolf Morsey bearbeitete Edition der Protokolle der Zentrumsfraktion für die Jahre 1926 bis 1933. Nichtsdestoweniger sind, soweit es sich überblicken läßt, die für die Perioden des KaiserreichesIX