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Das Morgenlicht durchflutete die verglaste Veranda. Ulrich Witt und Lotte Landmann saßen am Frühstückstisch. Im Radio liefen die Nachrichten und es gab wie jeden Tag neue Meldungen aus dem Bürgerkrieg in Jugoslawien. Lotte drehte sich um und stellte die Lautstärke zurück, bis nur mehr Wispern, Zischen und Flüstern von den Neuigkeiten blieb. Das Wochenende in der kleinen Pension endete für die beiden: Ulrich Witt musste in die Firma zurück und die Friseuse in den Betrieb.
Die junge Bedienerin brachte den Kaffee, Lotte ergriff die Kanne und goss ein. „Wie oft sind wir hier in der Sonne ge- Í j
sessen", plauderte sie ausgeruht und zufrieden, „der Himmel hat es immer gut mit uns gemeint."
Ulrich Witt sah auf die Tasse, die sich mit Kaffee füllte, und sagte: „Erstaunlich, dass uns bis heute nie jemand entdeckt hat."
Lotte Landmann setzte die Kanne ab und sah ihn erheitert an, spürte aber sofort, dass ihm ihr Vorbehalt missfiel; zugleich wunderte sie sein Vertrauen in das Versteckspiel, ja sein Glaube verwirrte sie. In letzter Zeit hatte sie den Eindruck, dass ihr Freund alles nach gewissen Launen seiner Einbildung bog. Zugleich verlangte er von den Mitmenschen in seinem Umfeld, dass sie sich blind stellten. Vielleicht war ihr das lange entgangen. Am Anfang ihrer Beziehung war er noch verheiratet gewesen und sie hatte Nico daheim gehabt, den ungebärdigen Jungen. Da hatten sie sich an wechselnden Orten getroffen und um Geheimhaltung bemüht, bis sie feststellten, dass sich ohnehin keiner um sie kümmerte. Von dort weg bevorzugten sie die kleine Pension nahe der Stadt, wo Lotte Landmann ihren Frisiersalon betrieb, und sie gewöhnten sich aneinander. Die Annahme, eine gemeinsame Zukunft zu haben, wurde ihnen selbstverständlich, obwohl sie oft wochenlang getrennt waren, denn Ulrich Witt arbeitete in der Firma, die ihm und seinem Bruder gehörte, fast dreihundert Kilometer von Lotte entfernt.