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/^Tn seiner 1879 erschienenen Histoire d'OttarJarl, conquérant du pays de Bray, et de sa descendance, hat Gobineau die Geschichte seines ältesten Vorfahren, der im 9. Jahrhundert aus Norwegen in die Normandie kam, und seiner Nachkommen geschrieben. Wenn der erste Ahn, von dem er Kunde erlangen konnte, ein Eroberer im politischen Sinne war, wollte er selbst, der letzte seines Stammes, ein solcher im geistigen Sinne sein: als Pionier auf dem Gebiete der Rassenforschung. Es war wohl mehr als bloße romantische Begeisterung für die Vergangenheit seiner Familie, was ihn schon als jungen Menschen beweg, sich mit dem Rassen-problem zu beschäftigen und dem Ausbau seiner Theorie einen bedeutenden Teil seines Lebens zu weihen. Vielleicht darf man vor allem die Sprache des durch die Jahrhunderte rein erhaltenen Blutes darin erblicken, daß er der germanischen Rasse eine überragende Stelle anweist und in ihr geradezu die „weltordnende Rasse" sieht. „So erstaunlich reich (sagt Chamberlain) indes sein Essai sur Pinégalité des races humaines an später bestätigten intuitiven Ahnungen und an historischem Wissen" ist, so unzulänglich ist er mangels aller anatomischen, zoologischen, anthropologischen und prähistorischen Kenntnisse in wissenschaftlicher Beziehung. Die Wissenschaft seiner Zeit war auf diesen Gebieten noch nicht weit genug vorgeschritten, um Gobineau die Mittel zu einer exakten Behandlung dieser ungemein vervidckelten Frage an die Hand zu geben. Es ist hier nicht der Ort, auf Gobineaus Rassentheorie i) näher einzugehen, es mußte aber auf diesen Zentral-
Den Kern von Gobineaus Rassentheorie faßt Ludwig Schemann in der Einleitung zu den „Asiatischen Novellen" des Grafen in folgendem Satze zusammen: „Dieses Werk ist äußerlich gruppiert um den Nachweis, daß weder die Verschiedenhelten des Klimas und der Umgebung, noch irgendwelche soziale und sittliche Entwickelungen, noch überhaupt irgendwelche Zeitereignisse der Konstitution wie dem Geiste der bevorzugteren Menschenrassen etwas anzuhaben imstande seien — daher denn auch ihre Zivilisationen nicht durch die gemeinhin angenommenen Ursachen, als Luxus und Sittenverderbnis, Mißregierungen, Verfall der Religionen und was dergleichen mehr — zu Falle kommen —, daß vielmehr einzig der im einzelnen an den Hauptvölkern der Ge-schichte nachgewiesene Vorgang der Degeneration, d. h. der unebenbürtigen Vermischungen mit andern Rassen, den Schlüssel zum Ge-Mmtverlaufe der Weltgeschichte, als einer Sukzession herrschender Rassen oder gestürzter Zivilisationen, zu bieten vermöge."