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Die Revolution entläßt ihre Kinder [antikvár]

Wolfgang Leonhard

 
Vorwort Am 15. März 1949 hätte ich in der SED-Parteihochschule eine Vorlesung halten müssen. Im großen Lektionssaal saßen die Kursanten mit Notizblöcken vor sich und warteten auf den Dozenten. Sie warteten vergebens. »Wo ist Genosse Leonhard?« Man suchte mich in meiner Wohnung in der Parteihochschule. Ich war nicht dort. Die Vorlesung wurde abgesagt. Schon tauchte bei einigen der Verdacht auf, der flüsternd geäußert wurde: »Vielleicht ist Wolfgang abgehauen?« Die Sekretärin der Parteihochschule wurde beauftragt, in meiner...
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Vorwort Am 15. März 1949 hätte ich in der SED-Parteihochschule eine Vorlesung halten müssen. Im großen Lektionssaal saßen die Kursanten mit Notizblöcken vor sich und warteten auf den Dozenten. Sie warteten vergebens. »Wo ist Genosse Leonhard?« Man suchte mich in meiner Wohnung in der Parteihochschule. Ich war nicht dort. Die Vorlesung wurde abgesagt. Schon tauchte bei einigen der Verdacht auf, der flüsternd geäußert wurde: »Vielleicht ist Wolfgang abgehauen?« Die Sekretärin der Parteihochschule wurde beauftragt, in meiner Berliner Wohnung nachzusehen. Auch das blieb erfolglos. Bald war kein Zweifel mehr möglich: »Wolfgang Leonhard ist geflohen.« Die Nachricht von meiner Flucht sprach sich sofort herum. Auf der Parteihochschule herrschte große Erregung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur wenige höhere SED-Funktionäre aus der Sowjetzone geflohen. Sie hatten meist früher der Sozialdemokratie angehört. Jetzt aber war ein verantwortlicher SED-Funktionär geflohen, der aus der KPD - und noch dazu aus Moskau - gekommen war. Noch etwas anderes kam hinzu: Bisher waren alle SED-Funktionäre nach dem Westen geflohen, und die Westberliner Presse hatte jedesmal ausführlich darüber berichtet. Nach meiner Flucht brachten aber auch die westlichen Zeitungen nichts über diesen Fall. In Westberlin wußte man genausowenig wie in Ostberlin. Wo ist Leonhard geblieben? »Sollte er vielleicht gar in Jugoslawien sein?« Nur heimlich wurde diese Vermutung ausgesprochen. Eine Woche nach der anderen verging. Von dem Dozenten Leonhard war nichts zu hören. Das Rätselraten dauerte an. Während dieser allgemeinen Aufregung saß ich in Belgrad und schrieb eine Rundfunkerklärung und eine Broschüre über die politischen Gründe meiner Flucht aus der Sowjetzone. Am 12. März hatte ich Ostberlin verlassen, am 25. März war ich nach einer aufregenden Flucht in Belgrad eingetroffen. Vier Wochen nach meiner Ankunft verlas ich im Studio des Belgrader Rundfunks meine Erklärung gegen die Kominform-Resolution und für die jugoslawischen Kommunisten, die sich im Sommer 1948 von Moskau losgesagt hatten, um ihren eigenen, unabhängigen Weg zum Sozialismus zu gehen. Nach meiner Stellungnahme, die am 22. April abends in zwölf Sprachen über den Belgrader Rundfunk verbreitet und am nächsten Tag in al-

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Cím: Die Revolution entläßt ihre Kinder [antikvár]
Szerző: Wolfgang Leonhard
Kiadó: Wilhelm Heyne Verlag
Kötés: Ragasztott papírkötés
Méret: 120 mm x 180 mm
Wolfgang Leonhard művei
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