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VORWORT
Die vorliegenden Radiopredigten wurden gehalten vom tU Oktober 1953 bis 15. April 1956. Sie wurden ausgestrahlt vom österreichischen Rundfunk, Radio Tirol und Vorarlberg. Außerdem hat sie der Schweize-rische Telephonrundspruch übernommen.
In Dankbarkeit will ich erwähnen, daß ich des öfteren die Dogmatik von Prof. Schmaus zu Rate zog und gelegentlich auch wörtlich zitierte. Ebenso verdanke ich einige Anregungen dem Sakramentenbuch von Eugen Walter.
Innsbruck, Maria Lichtmeß 1957
Heinrich Suso Braun O. F. M. Cap.
VON DER GNADE
IM VORHOF DER GNADE
Einer meiner Hörer, den idi wohl als meinen sehr verehrten und lieben Freund bezeichnen darf, hat mich vor einigen Wochen ermuntert, einmal die Gnade zum Gegenstand unserer sonntäglichen Unterhaltungen zu machen. Und ein klein wenig bin idi darüber erschrok-ken. Einerseits, weil ich es schon als einen kleinen Tadel empfinde, wenn ich in acht Jahren Radiopredigten niemals über die Gnade als solche gesprochen habe. Es ist doch so, daß wir im religiösen Raum immer wieder das Wort Gnade in den Mund nehmen und in unzähligen Wendungen gebrauchen und immer als selbstverständlich voraussetzen, daß wir und unsere Zuhörer genau wissen, was wir meinen und um was es geht. Und in dieser Unbekümmertheit um genaue Begriffe werden wir vielleicht nur noch übertroffen vom modernen Roman, in dem das Wort Gnade in den verzwicktesten Verbindungen immer wiederkehrt. Und so klar ist dieser Begriff nun doch nicht.
Und dies ist der zweite Grund meines Erschreckens. Es ist eine sehr schwere Frage, was das ist: Gnade. Durdi die ganzen christlichen Jahrhunderte haben die großen Denker und Dogmatiker sich darüber den Kopf zerbrochen und eine der größten Kontroversen im christlichen Raum ist sogar als der Gnadenstreit in die Geschichte eingegangen. Ich will gewiß nicht jene Kontroverse wieder auffrischen, zumal ich ebensowenig wie die theologischen Größen jener Tage eine Antwort auf
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