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GESCHICHTE DER SAMMLUNGEN. Das Wawel-Schloß, im 14., 15. und 16. Jalirhundert hauptstädtischer Sitz der polnischen Könige, gehört zu den hervorragendsten ehemaligen Monarchenresidenzen Europas. Das gilt nicht nur für die monumentalen Ausmaße der architektonischen Anlage, für die edle Schönheit der Formen und den hohen Wert der Kunstwerke, mit denen das Innere angefüllt ist, sondern auch im Hinblick auf die geschichtliche, kulturelle und künstlerische Rolle, die es in der Geschichte Polens gespielt hat, sowie in Hinblick auf die besondere emotionelle Bedeutung, die es in der Vergangenheit für das polnische Volk hatte und weiterhin bewahrt, auch in der historisch neuen Situation und bei veränderter Funktion. Von Anfang an eng mit den Geschicken Polens verbunden, hat es gemeinsam mit dem Land die Zeiten des Aufblühens und des Ruhmes, die Zeiten der Niederlagen und Mißerfolge sowie des vollständigen Niedergangs während der Teilungen und der lange währenden nationalen Unfreiheit durchlebt, die zu einer beträchtlichen Ruinierung und Herabwürdigung geführt hat. Doch obwohl widrige Ereignisse mitleidslos mit dem Schloß umgegangen sind, blieben seine räumliche Anlage, die Proportionen der Innenräume und die Gliederung des Gebäudekomplexes, die ihm hauptsächlich zur Zeit der Renaissance verliehen worden waren, sowie architektonische, bildhauerische und malerische Einzelheiten aus früheren und späteren Epochen nahezu unangetastet. Als dann das Wawel-Schloß vom polnischen Volk wiedererlangt wurde und man Anfang des 20. Jh. mit der gründlichen Restaurierung des Schlosses begann, faßte man den kühnen Entschluß, ihm ein ähnliches Aussehen wiederzugeben, das es zu seiner Blütezeit so bedeutend machte (Abb. S. 45, 46-47).Der bewegliche Teil der Innenausstattung, der stärker der Zerstörung und dem Verstreutwerden ausgesetzt war, trug weitaus empfindlichere Verluste davon. Feuersbrünste (besonders verheerend in den Jahren 1536,1595 und 1702), die die Architektur des Schlosses stark beschädigten, haben die Einrichtung und das kunstvolle Mobiliar weitaus stärker in Mitleidenschaft gezogen. Feindliche Besatzungen verursachten in der Architektur des Schlosses beträchtliche Verwüstungen; die Säle und Gemächer wurden nahezu restlos ihrer Einrichtung und ihres beweglichen Gutes beraubt. Stil- und Modeänderungen, die in bestimmten Zeitabständen alle Zweige der Kunst und des Kunsthandwerks erfassen, die sich wandelnden ästhetischen Ansprüche, das steigende Niveau der Wohnkultur, neue Repräsentationsbedürfnisse und schließlich normaler Verschleiß der häufiger benutzten Einrichtungsgegenstände - all das hat nicht minder stark zu großen, häufig verschiedenartigen Veränderungen auf diesem Gebiet beigetragen. Der grundlegende Umbau der gotischen Burg der letzten Piastenkönige und der ersten Jagiellonen durch Sigismund 1. zu einer prächtigen Renaissanceresidenz hat sicherlich einen gründlichen Austausch der gotischen Innenausstattung nach sich gezogen, zu der einstmals die von Janko von Czarnków berühmt gemachten Prunkbetten und Purpurvorhänge gehört haben, die reich mit Gold bestickt, mit Edelsteinen besetzt und mit Perlen im Königswappen verziert waren. Die voller Begeisterung von Polen (u.a. von Jost Ludwik Decjusz, Andrzej Krzycki und Stanislaw Orzechowski) und Ausländern (u.a. Nicolo Antonio Carmignano aus Neapel und Celio Calcagnini aus Ferrara) beschriebene Schönheit und die Kunstschätze des Sigismund-Schlosses traten ihren Platz neuen Wertobjekten eines anderen Stils ab, als das Innere des Nordflügels nach dem Brand von 1595 unter Sigismund III. umgebaut wurde. Ein anderer Stil hat zweifellos in den Sälen des Wawels vorgeherrscht, als es galt, sie für die Feierlichkeiten zur Krönung Augusts III. einzurichten, und wiederum ein anderer bei ihrer Vorbereitung auf die Ankunft von Stanislaus August. So mancher Gegenstand hat den Wawel als königliches Geschenk oder als Testamentsüberschreibung sowie als Mitgift von Königstöchtern verlassen, so z.B. 1556 bei der Hochzeit der Zofia Jagiellonka mit dem Braunschweiger Herzog Heinrich. Zofia erhielt als Mitgift u.a. Bildteppiche aus der Sammlung, die ihr Vater, Sigismund I., auf dem Wawel zusammengetragen hatte.Von der Pracht, dem Reichtum und dem hohen künstlerischen Niveau der einst im Königsschloß auf dem Wawel befindlichen Kunstwerke zeugen die von Sigismund August erworbenen, nahezu vollständig erhaltenen, berühmten Bildteppiche, einige Königsporträts sowie einige hervorragende geschichtliche Erinnerungsstücke und nationale Reliquien im Kronschatz. Viele Bestandteile der