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Johann Wolfgang von Goethe Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre
Seit fünf oder sechs Monaten hatte ich bemerkt, so oft ich über die kleine Brücke ging, (denn zu der Zeit war der Pont neuf noch nicht gebaut) daß eine schöne Krämerin, deren Laden an einem Schilde mit zwei Engeln kenntlich war, sich tief und wiederholt vor mir neigte und mir so weit nachsah, als sie nur konnte. Ihr Betragen fiel mir auf, ich sah sie gleichfalls an und dankte ihr sorgfältig. Einst ritt ich von Fontainebleau nach Paris, und als ich wieder die kleine Brücke herauf kam, trat sie an ihre Ladentüre und sagte zu mir, indem ich vorbeiritt: mein Herr, Ihre Dienerin! Ich erwiderte ihren Gruß, und indem ich mich von Zeit zu Zeit umsah, hatte sie sich weiter vorgelehnt, um mir so weit als möglich nachzusehen.
Ein Bedienter nebst einem Postillon folgten mir, die ich noch ^ ,
diesen Abend mit Briefen an einige Damen nach Fontainebleau zurück schicken wollte. Auf meinen Befehl stieg der Bediente ab ; ¦
und ging zu der jungen Frau ihr in meinem Namen zu sagen, daß i
ich ihre Neigung mich zu sehen und zu grüßen bemerkt hätte, ich wollte, wenn sie wünschte mich näher kennen zu lernen, sie auf- j
suchen, wo sie verlangte.
Sie antwortete dem Bedienten: er hätte ihr keine bessere Neu-
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igkeit bringen können, sie wolle kommen, wohin ich sie bestellte, nur mit der Bedingung, daß sie eine Nacht mit mir unter einer Decke zubringen dürfte.
Ich nahm den Vorschlag an und fragte den Bedienten, ob er nicht etwa einen Ort kenne, wo wir zusammen kommen könnten? Er antwortete, daß er sie zu einer gewissen Kupplerin führen wollte; rate mir aber, weil die Pest sich hier und da zeige.