Bővebb ismertető
EinleitungGustav SchwabGenerationen von Heranwachsenden lernten die Sagenwelt der Antike vor allem durch ein Werk kennen - Gustav Schwabs Die schönsten Sagen des klassischen Altertums. Sicherlich ein Faszinosum, dessen Grund zum einen im Stoff selbst liegt. Denn gleich mächtig, so Schwab, sei der Reiz, den die Mythen und Heldensagen des klassischen Altertums auf den Forscher xmd den unbedarften Leser ausüben.Während der Gelehrte in ihnen den Anßngen aUes menschlichen Wissens, den GrundgedarJan der Religion und Philosophie, der ersten Morgendämmerung der Geschichte nachgeht, entzückt den unbtfangenen Betrachter die Entfaltung der reichsten Gestalten, das Schauspiel einer gleichsam noch in der Schöpfung begriffenen Natur- und Geisterwelt; er sieht mit Lust und Beiounderung die Erde mit Göttern und Göttersöhnen aus dem Chaos emporsteigen und in raschen Bilderreihen den Prometheusfunken im Menschen den Kampf mit der Barbarei beginnen, die Kultur der Wildnis, die Bildung der RohJuit, die Vemunfl oder die Notwendigkeit der Leidenschaft den Sieg abringenZum anderen aber wollte Schwab, der selbst Pädagoge, in späteren Jahren Oberstudienrat und Leiter der höheren Schulen in Württemberg war, besonders der Jugend die Sagenwelt des Altertums nahebringen. Nicht zuletzt die didaktische Absicht, sein Versuch, die Sagen den Dichtem einfach und vom Glänze künstlerischer Darstellung entkleidet, doch, wo immer möglich, mit ihren eigenen Worten nachzu-erzählen, ließen seine Sammlung zur erfolgreichsten und bekanntesten im deutschen Sprachraum werden.Gustav Schwab wurde am 19. Juni 1792 in Stuttgart als sechstes von sieben Kindern des Professors der Karlsschule und Geheimen Hofrats Johann Christoph Schwab und der Kaufinannstochter Friederike Rapp geboren.Er wuchs im typisch schwäbischen Bildungsbürgertum auf, besuchte das Gymnasixmi in Stuttgart, von 1809 bis 1814 studierte er in Tübingen Philologie und Philosophie, am evangelischen Stift Theologie.Verbindung zum geistigen Leben Deutschlands schuf er 1815 durch eine mehrmonatige Bildungsreise, die ihn nach Nürnberg, Weimar, Jena, Leipzig, Dresden, Berlbi, Hamburg und Kassel führte imd während der er u.a. mit Gotthilf Heinrich Schubert, Rückert, Goethe, Charlotte Schiller, Chamisso, Tieck, E.T.A. Hoffinann, Vamhagen, Schleiermacher, Fouqud und den Gebrüdem Grimm zusammentraf.ERSTER BANDPrometheusHimmel und Erde waren geschaffen: das Meer wogte in seinen Ufern, und die Fische spielten darin; in den Lüften sangen beflügelt die Vögel; der Erdboden wimmelte von Tieren. Aber noch fehlte es an dem Geschöpfe, dessen Leib so beschaffen war, daß der Geist in ihm Wohnung machen und von ihm aus die Erdenwelt beherrschen konnte. Da betrat Prometheus die Erde, ein Sprößling des alten Göttergeschlechtes, das Zeus entthront hatte, ein Sohn des erdgebomen Uranossohnes Japetos, kluger Erfindung voll. Dieser wußte wohl, daß im Erdboden der Same des Himmels schlummere; darum nahm er vom Tone, befeuchtete denselben mit dem Wasser des Flusses, knetete ihn und formte daraus ein Gebilde nach dem Ebenbild der Götter, der Herren der Welt. Diesen seinen Erdenkloß zu beleben, endehnte er allenthalben von den Tierseelen gfute und böse Eigenschaften und schloß sie in die Brust des Menschen ein. Unter den Himmlischen hatte er eine Freundin, Athene, die Göttin der Weisheit. Diese bewunderte die Schöpfung des Titanensohnes und blies dem halbbeseelten Bilde den Geist, den göttlichen Atem ein.So entstanden die ersten Menschen und füllten bald vervielfältigt die Erde. Lange aber wußten sie nicht, wie sie sich ihrer edlen Glieder und des empfangenen Götterfunkens bedienen sollten. Sehend sahen sie umsonst, hörten hörend nicht; wie Traumgestalten liefen sie umher und wußten sich der Schöpfung nicht zu bedienen. Unbekannt war ihnen die Kunst, Steine auszugraben und zu behauen, aus Lehm Ziegel zu brennen, Balken aus dem gefällten Holze des Waldes zu zimmern und mit allem diesem sich Häuser zu erbauen. Unter der Erde, in sonnenlosen Höhlen, wimmelte es von ihnen, wie von beweglichen Ameisen: nicht den Winter, nicht den blütenvollen Frühling, nicht den früchtereichen Sommer kannten sie an sicheren Zeichen; planlos war alles, was sie verrichteten. Da nahm sich Prometheus seiner Geschöpfe an; er lehrte sie den Auf- und Niedergang der Gestirne beobachten, erfand ihnen die Kunst zu zählen, die Buchstabenschrift; lehrte sie Tiere ans Joch spannen und zu Genossen ihrer Arbeit brauchen, gewöhnte die Rosse an Zügel und Wagen, erfand Nachen und Segel für die Schiffahrt. Auch fürs übrige Leben sorgte er den Menschen. Früher, wenn einer krank wurde, wußte er kein Mittel, nicht, was von Speise und Trank ihm zuträglich sei, kannte kein Salböl zur Linderung seiner Schäden; sondern aus Mangel an Arzneien starben sie elendiglich dahin. Darum zeigte ihnen Prometheus die Mischung milder Heilmittel, allerlei Krankheiten damit zu vertreiben. Dann lehrte er sie die Wahrsager-