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VORWORT
Ein KongreB für Calvinforschung in Mittel- und Osteuropa fand zum ersten Mai in Debrecen statt. Thema war die Caivinrezeption in den Kirchen dieses Teils von Európa. Dem folgte 1984 der zweite derar-tige KongreB in Berlin/DDR (siehe: Immigration und Emigration-die calvinistische Einwanderung und Auswanderung in Mitteleuropa, ed. J.Langhoff/J.Rogge, Berlin 1985).
Vom 14.- 17.September 1988 fand der dritte KongreB für Calvinforschung in Mittel- und Osteuropa unter dem Titel "Die Schüler Calvins in der Diaspora" in Wien statt.
Ein CalvinkongreB in Wien ist etwas Besonderes. Wien hat fast keine calvinistischen Traditionen. Der "Calviner" (eine Wiener Bezeichnung) gilt hier als lustfeindlich, puritanisch und von Ar-beitszwángen beherrscht. Auch im evangelischen Wien und in Öster-reich ist die Vertreterin der calvinistischen Tradition (die Kirche Helvetischen Bekenntnisses) die "Minderheit in der Minderheit", indem der Protestantismus in Wien und österreich hauptsáchlich von Traditionen des Luthertums bestimmt ist.
Allerdings: Das Thema "Die Schüler Calvins in der Diaspora" paBt dann doch gut hierher. Der Evangelische ist in Österreich in der Diaspora, und er wird auf Schritt und Tritt daran erinnert: seine Umgebung ist kirchlich-katholisch und im Stil barock oder aber sákularisiert-modern. Jedenfalls steht er immer als eine Minderheit einer Mehrheit gegenüber und ist auf die GroBzügigkeit der Mehr-heit angewiesen. Glücklicherweise ist diese GroBzügigkeit auch vorhanden.
Mit dem Stichwort "Diaspora" ist aber nun eine wichtige und blei-bende Errungenschaft gerade der calvinistischen Tradition gegeben. Hier ist an die Ekklesiologie Calvins zu erinnern. Die reformierte Kirche ist grundlegend und von Anfang an weitgehend Diaspora-Kirche, indem schon Calvins Aufgabe in "Sammlung, Belehrung und Organisation der evangelischen Christenheit in der Verfolgung, und das hieB: in der Diaspora" bestand (G.W.Locher: Calvin - Anwalt der Ökumene, Zürich 1960, S.16). Das Luthertum, für das die áuBere Organisation der Kirche nie Bekenntnisfrage war, muBte sich oft