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Vorwort
Wenn ich, wie in diesem Buch, eine Geschichte erzähle, gibt es immer Leute, die bewundernd ausrufen:
„Was Sie für eine Phantasie haben!"
Ich frage sie dann: „Was ist denn nach Ihrer Meinung diese berühmte Phantasie, nicht nur die meine, auch die seine, ihre oder die der anderen?"
Und alle geben ungefähr die gleiche Erklärung:
Die Phantasie sitzt in einem Lappen des Gehirns, der bei begabten Menschen, zu denen man auch den Romanschriftsteller zählt, besonders stark ausgebildet ist. Oder sogar, daß die Einbildungskraft eine Art zusätzliches Organ sei, das sich ebenfalls im Schädel besonders der Langköpfi-gen befinde, weil bei ihnen mehr Platz dafür sei als bei den anderen. Ein inneres Organ also oder eine Drüse, eine Art Mark mit einem Eigenleben, das, plötzlich durch besondere Einflüsse angeregt, ein seltsames Produkt auszuscheiden beginnt, das ziemlich monströs und verdächtig, andererseits aber auch wunderbar ist und jedenfalls zweifellos ganz spontan auftritt.
Man erlebt also eine wirklich ,spontane Schöpfung'.
Diese Drüse hat man, oder man hat sie nicht. Entweder ist sie winzig, zusammengeschrumpft in einer Ecke, verkümmert und steril, so daß man alle Mühe hat, auch nur die einfachsten Sachen zu erzählen, z. B. wie man am Morgen seinen Kaffee kocht.
Oder sie ist enorm, diese Drüse, unkontrollierbar wuchernd, und man schreibt Romane, erzählt Geschichten, in denen man nur einsammelt, was sie einem im Überfluß schenkt. Eigentlich braucht man sich nur an seinen Schreibtisch zu setzen, die Feder zu ergreifen, die richtige Schreibposition einzunehmen, und schon beginnt die besagte Drüse zu funktionieren. Man muß dann lediglich die Schreibhand führen.