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Frank Pickersgill, Kanada
geboren am 28. Mai 1915, am 12. September 1944 in Gefangenschaft umgekommen
Paris, 1. September 1939
Um drei Uhr nachmittags lief mein Zug, der Simplon-Expreß, in Paris in den Bahnhof ein. Drei Tage war ich von Bukarest bis hierher unterwegs, drei Tage ohne Nachrichten über den Krieg, den man in Europa vorbereitete. Wie in einem Bienenkorb schwirrte es im Zuge von Gerüchten, die sich in der Gegend der französisch-schweizerischen Grenze zu dem Gerede von einer polnischen Kapitulation und einer Überwindung der Kriegsgefahr verdichteten. Niemand glaubte diesen Berichten. Aber man hörte sie mit jener Mischung von Erleichterung und Bestürztsein, Hoffnung und dann wieder Scham über dieses Hoffen, die nun jedem Beobachter der europäischen Krisen vertraut ist.
Aus dem Zuge eilte ich in die Untergrundbahn. Noch immer hatte ich keine Zeitungen zu Gesicht bekommen. Schließlich konnte ich einem Mann über die Schultern blicken und die Schlagzeilen lesen. Deutschland war in Polen eingefallen, und bis zur französisch-britischen Kriegserklärung konnte es nur noch wenige Tage oder gar Stunden dauern. Die Untergrundbahn wurde mir zuviel. Ich stieg mit meinem Gepäck aus und kletterte in einen Omnibus.
Überall standen Scharen von Menschen, Massen von Menschen. Noch nie hatte ich eine so ganz und gar schweigende Menge gesehen. Einige Leute trugen bereits Gasmasken bei sich. Die Leute drängten sich vor Plakaten, die die allgemeine Mobilmachung proklamierten: ». Vorräte für drei Tage, dazu Gabel, Messer, Löffel, Tasse und Teller aus Blech.« Man las die Bekanntmachung wieder und wieder, als ob man hoffte, sie dadurch ändern zu können. Zwei Fahrgäste stiegen aus, weil ihnen schlecht wurde. Die Menschen waren ungewöhnlich rücksichtsvoll zueinander, gingen sich aus dem Wege und vermieden sorgfältig, aneinanderzustoßen. Ich fühlte mich ganz wund, es war mir zumute, als müßte ich aufschreien, wenn midi irgend etwas oder irgend jemand berührte.
Ich ging hinaus zu meiner alten Wohnung; auf dem Wege kam mir auf dem Boulevard Eugens Frau entgegen. Eugen war der Hausmeister, ein gutmütiger, humorvoller Mensch, der uns im letzten Jahr
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