Bővebb ismertető
NUMMER 363
KOMMISSAR X
Die Themse ist kein Totenbett
Es gibt Leute, die lassen sich nicht mit hundert Pfund den Mund stopfen und bekommen dann einen Knebel für die Ewigkeit
Die vier Gentlemen hatten sich an diesem Morgen in der Sauna eingefunden, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, sich zu entschlacken und fit zu halten. Aber es gab jemanden, der fest entschlossen war, etwas gegen die Gesundheit der vier Männer zu tun; einen Unbefugten in den dampfgefüllten Räumen, der etwas vorbereitete, das selbst eine Bärennatur umwerfen mußte Ben Lockarts Sauna war ein fensterloser Holzverschlag, drei Meter im Geviert. Der mächtige, mit buckeligen Felssteinen belegte Saunaofen stand im rechten Winkel zu den Sitz- und Liegestufen. Das Kaltwasserbecken — an jenem Frei-, tagmorgen mit einer dünnen Eisschicht überzogen — befand sich rechts nebenan und konnte vom Saunaraum durch eine doppeltürige
Schleuse betreten werden. Links schloß sich der Duschraum an und daran die spartanisch eingerichteten Ruhekabinen.
Vier Gentlemen bildeten an diesem Morgen Ben Lockarts Kundschaft. Wie Hühner auf der Stange hockten sie nackt und bloß auf der obersten Stufe, dicht unterhalb der Decke, wo es am heißesten war.
Das Hygrometer neben der Tür zeigte einen zu niedrigen Feuchtigkeitsgrad der Luft an. Er veranlaßte einen der Herren, sich von seinem lichtblauen Badetuch zu erheben und den Klingelzug seitlich des Ofens zu betätigen.
Kaum hatte Lockart den Raum betreten, als ihm auch schon ein kategorisches: „Aufguß, Ben!" entgegenschallte. Lockart hob beschwichtigend die Kelle und goß ihren Inhalt über die heißen Steine.
Dampf waUte auf.
Die Männer reckten und dehnten sich, sogen den heißen Dunst wie ein Lebenselexier in ihre Lungen. Sie hielten aus, um sich fit zu halten, sich zu entschlacken oder ein paar Pfund von dem Feist zu verlieren, der ihnen zu schaffen machte.
Mit animalischer Befriedigung streiften sie mit dem Handrücken den Schweiß von ihren teigigen Bäuchen und haarigen Schenkeln. Als Ben Lokkart nach dem Aufguß den Raum verließ, kam die Unterhaltung wieder in Fluß.
Nichtigkeiten wurden breitgewalzt, hin und wieder ein Witz beigesteuert. Es wurde gelacht, geprahlt und geflucht. Es wurde etwas für die Ge-simdheit getan.
Etwas gegen d^e Gesundheit der vier Gentlemen tat ein Unbekannter — zehn Minuten, nachdem Ben Lockart den letzten Aufguß gemacht hatte. Er trat aus der Schleuse in den Saunaraum; ein Schemen in Wqiß, das durch die mit Wasserdampf geschwängerte Luft an den Ofen glitt, für die vier auf
der oberen Sitzbank nicht sichtbar einen Plastikbeutel hob und den Inhalt über den Saunaofen goß.
Ungehindert huschte die Gestalt-in die Schleuse zurück, verschloß die Türen von außen und zog die Schlüssel ab.
Vie? Gentlemen waren gefangen. Sie sahen den dichten Nebel, der in Intervallen von dem Saunaofen hochstieg, begriffen nicht und atmeten ihn ein.
Als Wissen und Todesfurcht ihre Herzen umkrallte, war eS bereits zu spät. Ihre Sinne verwirrten sich. Müdigkeit lähmte Zunge und Glieder. Nacheinander sanken sie betäubt auf die Liegestufe zurücäc. Nur einem gelang es noch, das erklärende Wort zu lallen:
„Chloroform!"
Dann dämmerte er mit den anderen gemeinsam in den Tod.
Die Mount Street läuft direkt auf den Hyde Park in London zu. Gourmets kennen hier den Mayfair Club, dessen konservative, viktorianische Eleganz jeden Gast beeindruckt.
Auch Jo Walker, der New Yorker Detektiv und Gast des Clubs, war von der Atmosphäre sehr angetan. Ebenso wie die englisdien Gentlemen, die anwesend waren, versuchte er, die Stimme gedämpft zu halten. Freilich konnte er wenig zu der allgemeinen Unterhaltung beitragen, da es sich in der Hauptsache um Börsen- und Bankgeschäfte handelte, die für jeden Engländer reizvoll sind.
Daniel Reynolds, der Jo für vierzehn Tage nach London eingeladen hatte, nachdem Kommissar X einen schwierigen Fall für ihn gelöst hatte, entschuldigte sich bei seinen Klubkameraden und widmete sich wieder seinem amerikanischen Gast.
„Sorry, Mr. Walker", sagte er lie-