Bővebb ismertető
Sonderabdruck aus Band 93, 1953 Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in WienIm Selbstverlag der GesellschaftAlle Rechte vorbehaltenDie Tragikomödie der Zoologischen Nomenklatur.Eine Einführung für jeden Zoologen.Von t Franz Heikertinger, Wien*).Die Namenänderungen in der Zoologie.Es dürfte kaum einen Zoologen geben, der sich angesichts der Zustände in der Zoologischen Nomenklatur eines befremdeten Staunens erwehren könnte. Da gibt es seit rund hundert Jahren Regeln zur Sicherung einer einheitlichen, stabilen Tierbenennung; seit rund fünfzig Jahren sind diese Regeln mit internationaler Gültigkeit kodifiziert; eine ständige Internationale Nomenklaturkommission pflegt sie, baut sie aus, baut sie um, ergänzt sie, entscheidet Streitfälle in langatmigen Gutachten (Opi-nions), die schon einen mächtigen Band füllen. Eine eigene, dem Außenstehenden kaum zugängliche, ihn überdies durch ihre Öde zurückstoßende, von wenigen Eingeweihten betreute Geheimwissenschaft ist da. Und doch kann es der Zoologe auch heute noch jeden Tag erleben, daß ein ihm seit seiner Jugendzeit geläufiger, in der ganzen Welt seit einem Jahrhundert einheitlich gebräuchlicher wissenschaftlicher Tiername über Nacht verworfen, ausgelöscht, durch einen nie gehörten anderen ersetzt oder sogar unlösbare Verwirrung stiftend auf ein anderes Tier übertragen wird.Wenn heute zwei Zoologen zusammentreffen, deren Studienzeit dreißig Jahre auseinanderliegt, so werden sie einander vielfach nicht mehr verstehen. Der eine wird von Tieren sprechen, deren Namen dem andern unbekannt sind. Und es wird eine Weile der Auseinandersetzung bedürfen, bis sie festgestellt haben, daß sie von den gleichen Tieren reden und daß bloß jeder einen anderen Namen dafür gebraucht. Alle zwanzig, dreißig Jahre ändern sich ganze Gruppen jahrhundertalter Namen für alltägliche Tiere; jede Periode hat ihre eigene Nomenklatur. Jeder Zoologe, insbesondere jeder junge, aufstrebende, lebt in der peinlichen Sorge, einen vielleicht seit etlicher Zeit ungültigen" Namen zu verwenden und sich damit vermeintlich eine wissenschaftliche Blöße zu geben und seine Arbeit als zweitklassig erscheinen zu lassen. Und dieser Zustand dauert an seit einem Jahrhundert, und die Namenänderungen nehmen nicht ab, sondern unablässig zu.*) Der Verfasser, Ehrenmitglied und Ausschußrat der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien und deren langjähriger, hochverdienter Kassier, ist am 7. Juli 1953 verstorben. Die Korrektur wurde von Prof. Dr. Hans Strouha) durchgeführt.5