Bővebb ismertető
Vorwort
Der Umbruch der DDR von einem autoritären und planwirtschaftlich organisierten System zu einem Bestandteil einer marktwirtschaftlichen Demokratie lief im Zeitraffertempo ab. Nicht einmal ein Jahr lag zwischen dem Fall der Mauer und der Vollendung der staatlichen Einheit Deutschlands. Geschwindigkeit und Reichweite dieses historisch einmaligen Vorgangs haben dabei auch zu Fehlem und Defiziten geführt, aus denen die Transformationsanalyse wie die Steuerung des Systemwandels durch die Politik lernen kann.
Neben dem außerordentlichen Tempo weist der Systemwandel in der DDR noch weitere Merkmale auf, die diesen Prozeß im Vergleich zu anderen Transformationen als Sonderfall kennzeichnen: Außenpolitisch markierte der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland eine bis dahin für kaum vorstellbar gehaltene Überwindung der Blöcke von Ost und West. Aus politisch-kultureller Sicht ist es bemerkenswert, daß die Bürger der DDR nach vier Jahrzehnten der staatlichen Teilung so eindeutig für die Aufgabe des eigenen Staatswesens plädierten. Und aus der Sicht der Umsetzung der Transformationspolitik lassen sich keine anderen Prozesse des Systemwandels finden, bei denen die Steuerung von außen so umfassend verlaufen ist.
Es ist der besondere Reiz der Studie von Helmut Wiesenthal, daß er die ostdeutsche Transformation trotz ihrer Einzigartigkeit mit dem analytischen Instrumentarium der Transformationsforschung untersucht und als einen Fall unter mehreren betrachtet. Auf diese Weise werden im Vergleich mit den anderen Transformationsfällen der vergangenen Dekade Abweichungen und Gemeinsamkeiten deutlich. Betrachtet als transformationspolitischer Normalfall lassen sich außerdem Lehren aus der Außenunterstützung des Systemwandels und dem Verlauf der Transformation ziehen, die auch in künftigen Kontexten verwertbar sind.
Auch im Angesicht der inzwischen zahlreichen Publikationen zum Thema ergeben sich aus der analytischen Schärfe und dem ungewohnten Blickwinkel der Studie Wiesenthals interessante Erkenntnisse und Einsichten. Etwa hat die Steuerung der Transformation Ostdeutschlands durch die Bundesregierung ungeachtet der im Vergleich zu anderen Systemwandeln immens hohen Finanzhilfen zu massiven Vorwürfen der selektiven Benachteiligung der Transformationsgesellschaft geführt. Hinzu kam eine den Realitäten politischer Wandlungsprozesse entfliehende Anspruchsbildung. Im Bereich der Transformationssteuerung arbeitet Wiesenthal heraus, daß wesentliche Elemente der Strategie - etwa die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion - stark von ad hoc-Entscheidungen abhingen. Dabei schien das Ergebnis des Willensbildungsprozesses vorbestimmt; Argumente des politischen »Wollens« und »Meinens« dominierten solche des »Könnens« und »Wissens«.