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In einem dor altesten Stadtbezirke Moskaus, Samoskworetschje, steht ein Gebaude, das den Bewohnern der sowjetischen Haupt-stadt und ihren Gásten bestens bekannt ist. Hierher in die stille Lawruschinski-Gasse kommen taglich Tausende von Menschen, um die Staatliche Tretjakow-Galerie, das gröBte Museum der rus-sischen und sowjetischen Kunst in der Sowjetunion, zu besuchen. Die 60 000 Exponate, die zur Zeit in der Galerie aufbewahrt wer-den, reprasentieren die Geschichte der Kunst des Landes auf dem Gebiet der Maierei, Plastik und Grafik.
Ihren Namen leitet die Tretjakow-Galerie von ihrem Gründer her, dem Moskauer Kaufmann und Industriellen Pawel Michailowitsch Tretjakow, der sich entschlossen hatte, das erste Museum der na-tionalen russischen Kunst in RuBland zu schaffen. »Für mich, der so innig und leidenschaftlich die Maierei liebt, kann es keinen schöneren Wunsch geben, als eme öffentliche, jedermann zugang-liche Pflegestatte der schönen Künste zu gründen, vielen zum Nutzen und allén zum Vergniigen«, schrieb er 1860. Die ersten Bilder russischer Maler erwarb Tretjakow 1856. Dieses Jahr gilt auch als das Gründungsjahr der Tretjakow-Galerie. Tretjakow, der ein Mensch voller Energie und Tatkraft war, schritt seinem Ziel konsequent und beharrlich entgegen. Jáhrlich kamen Dutzende von Werken zu seiner Sammlung hinzu; was den Umfang seiner Sammeltatigkeit angeht, hatte er in den siebziger und achtziger Jahren nicht seinesgleichen. Subjektive Engstirnig-keit und Beschranktheit waren dem Sammler Tretjakow fremd. Beim Zusammentragen seiner Sammlung war er von Anfang an darauf bedacht, daB sein Museum nicht seinem eigenen oder ir-gendjemandes anderen Geschmack und Neigungen entsprechen, sondern ein objektives Bild von der Entwicklung der russischen Kunst vermittelri sollte. Deshalb tauchten iu der Tretjakow-Galerie mit jedem Jahrzehnt neue Namen auf. Charakteristische Be-sonderheiten, die den Geist ihrer Entstehungszeit widerspiegelten, und hoher Kunstwert waren für Tretjakow die wichtigsten Kri-terien bei der Auswahl der Bilder. Seine engsten Gehilfen und Berater auf diesem Gebiet waren die russischen Künstler selbst. Durch seine Sammelleidenschaft erwies Tretjakow der russischen Kunst einen auBerordentlichen Dienst, besonders deren i'ort-schrittlichen realistischen Richtung, die den Kollektionar am mei-sten interessierte. Die Tátigkeit Tretjakows beurteilend schrieb der Maler I. E. Repin, daB er » alléin auf seinen Schultern das Problem der Existenz einer ganzen russischen Schule dor Maierei austrug« (I. E. Repin. Fernes Nahes. Moskau, 1964, S. 162). Anfang der neunziger Jahre gab es in der Tretjakow-Galerie etwa 1500 erstklassige Gemálde und einige hundert Zeichnungen rus-3 sischer Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Sammlung war