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Editorial
Jean Barbet, der Verfasser dieses Buches, ist längst tot. Er und Jean B. Estrade waren die ersten, die die Geschichte der hl. Bernadette (1844 bis 1879) aufgeschrieben haben. Warum wir auf Barbet's Biographie zurückgreifen, möchten wir unsern Lesern erklären:
Als Bernadette noch ein kleiner Säugling war — und somit auf die Brust ihrer Mutter angewiesen — war ihrer Mutter, Louise Soubirous-Castérot, etwas Schreckliches zugestossen. Eines Abends — die Soubirous lebten damals noch in der Mühle Boly — war sie nach einem harten Tagewerk heim Herd eingeschlafen; sie war so erschöpft, dass sie nicht merkte, dass die Harzkerze herunterfiel und ihre Kleider in Brand steckte. Sie schreckte erst auf, als ihre Brust bereits schwere Brandwunden aufwies und sie nicht mehr in der Lage war, ihr Kind zu stillen. Dieses Unglück hätte den Tod des Kindes bedeuten können.
Das Unglück sprach sich herum und Gott rührte das Herz einer Bäuerin, die ihr Söhnchen verloren hatte, das gleich alt war wie Bernadette. Diese Bäuerin, Marie Lagües aus Bartres, einem Dorf, drei Kilometer nördlich von Lourdes gelegen, eilte in die Mühle Boly, bot sich als Amme an und nahm Bernadette zu sich nach Bartres, wie sie es auch in späteren Jahren noch oft tat] als sie Bernadette als kleine Hirtin beschäftigte. Bernadette fand also dort eine zweite Heimat, obwohl ihr Los als Verdingkind hart war. Bei ihrer Amme trank sie die Milch, die eigentlich für den nun toten Sohn bestimmt war: Bernadette war für Marie Lagües ein Trost und ein Schmerz. Sie fand in Bartres aber nicht nur eine Amme und sozusagen zweite Mutter, sie fand dort auch einen frommen Priester, den Abbé Ader, der wie der greise Simeon im Tempel ihr Schicksal vorausahnte. Dieser Priester war immer tief bewegt, wenn er Bernadette mit ihrer Herde vorbeikommen sah. Bernadette erinnerte ihn stets an die Kinder von La Salette und er pflegte zu sagen: Wenn die hl. Jungfrau wieder käme, würde sie sicher ein Kind wie Bernadette aussuchen. Und noch etwas fand Bernadette in Bartres, den Autor dieses Buches, Jean Barbet, geboren 1828, gestorben am 11. Januar 1904, der damals in Bartres, später in Lourdes als Lehrer wirkte. Er war einer der ersten, die an Bernadettes Mission geglaubt haben; er galt als einer der besten Eingeweihten und sein Haus war ein Treffpunkt für Freunde und Interessenten, die Näheres über Lourdes erfahren wollten. Ihm verdanken wir dieses Buch; es ist kein literarisches Meisterwerk wie DAS LIED VON BERNADETTE von Franz Werfet, dem jüdischen Schriftsteller, der auf der Flucht vor den Nazis sich in Lourdes versteckt und das Gelübde getan hatte, Bernadette's Geschichte zu erzählen, wenn er den rettenden