Bővebb ismertető
Europa
Die indogermanischen Völker des Erdteils
Von Professor Dr. Michael Haberlandt
I. Allgemeines
1. Die allgemeinen Entwicklungsfaktoren: Boden, Greschichte und Rasse
Wiewohl Europa vom rein geographischen Standpunkt nichts anderes als die westliche Halbinsel des großen asiatischen Kontinentes darstellt, so hat es doch seine Völker- und kulturgeschichtliche Selbständigkeit seit ältester Zeit in ganz einzigartiger Weise zum Ausdruck gebracht. Trotz seiner verhältnismäßigen Kleinheit ist unser Erdteil der eigenartigste und ungleich bedeutungsvollste Schauplatz für die Entwicklung des Menschengeschlechtes geworden, zu dessen Führerin und Erzieherin sich seine Bevölkerung und seine Kultur aufschwang. Wenn wir die verheißungsvollen Kulturanfänge der Diluvialzeit im westlichen Europa als den Beginn des europäischen Völker- und Kulturaufbaues ins Auge fassen, ist es ein halbes Jahrhunderttausend an Kultur- und Völkerleben, das wir in unserem Erdteil zu überschauen vermögen. Nicht um eine Geschichte der europäischen Kultur handelt es sich aber in diesem Abschnitt, sondern um eine Darstellung der geschichtlich gewordenen Völkerwelt Europas und ihrer unablässigen Wandlungen. Die einzelnen Völkergestalten, die sich auf diesem geographisch wie geschichtlich bestimmten Lebensraum in bestimmter Eigenart entwickelt haben, wollen wir kennenlernen.
Die europäischen Volksgebiete sind mit Unrecht von selten der Völkerkunde bisher unbeachtet geblieben. Der Hauptgrund hiefür lag wohl in einem, wie sich mehr und mehr herausstellt, unberechtigten Skeptizismus bezüglich der ethnographischen Sachlage in Europa. Unser Erdteil als das Gebiet der menschlichen Hochkultur gilt vielfach als völkerkundlich verarmt, oder — von der anderen Seite gesehen — über die Betrachtung der Ethnologie hinausgewachsen.
Völkerkunde II, 2 1