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Cornelius Fischer - Die Wälder des Himmels [antikvár]

Die Wälder des Himmels [antikvár]

Cornelius Fischer

 
T^schaya war eine alte Frau, und sie hatte schon viele Totengeister gesehen. Wenn jemand sterben mußte, spürte sie als erste die Nähe des mulo. Das Unheil preßte ihr die Brust zusammen, sie konnte kaum noch atmen, und alles, was sie aß, schmeckte bitter. So geschah es auch am Johannistag jenes Jahres: Sie sah den Geist über dem Acker schweben, auf dem dann Nanosch erschlagen wurde. Von ihren zweiundsiebzig Jahren hatte Tschaya fünfundfünfzig mit Nanosch verbracht, ihm elf Kinder geboren, davon sechs Söhne, und seinen neunzehn...
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T^schaya war eine alte Frau, und sie hatte schon viele Totengeister gesehen. Wenn jemand sterben mußte, spürte sie als erste die Nähe des mulo. Das Unheil preßte ihr die Brust zusammen, sie konnte kaum noch atmen, und alles, was sie aß, schmeckte bitter. So geschah es auch am Johannistag jenes Jahres: Sie sah den Geist über dem Acker schweben, auf dem dann Nanosch erschlagen wurde. Von ihren zweiundsiebzig Jahren hatte Tschaya fünfundfünfzig mit Nanosch verbracht, ihm elf Kinder geboren, davon sechs Söhne, und seinen neunzehn Kindeskindern auf die Welt geholfen. Keiner ihrer Nachkommen besaß mehr die Gabe, Geister sehen zu können, aber sobald sich der Druck auf die Lunge der alten Frau zu legen begann, ging Furcht um in der ganzen Sippe, denn Tschaya irrte sich nie. Diesmal geschah es am 24. Juni 1920 zur Mittagsstunde. Nanosch und seine Familie hatten die Straße verlassen, um am Ufer eines Weihers ihr Lager aufzuschlagen. Der Wagen des baro manusch stand noch nicht ganz still, da erschien die alte Frau schon in der hinteren Tür und wartete ungeduldig darauf, daß Zoj, ihr jüngster Enkel, die kurze Holztreppe in die Ösen an der Schwelle hängte. Wie immer trug sie alle Kleider, die sie besaß: drei Röcke aus purpurner, violetter und schwarzer Baumwolle übereinander, eine dunkelblaue Bluse und eine zweite von hellem Grün, dazu Schal, Strickjacke und ein Kopftuch, schwarz mit kirschroten Punkten. Die Beine steckten in moosfarbenen Wollstrümpfen, die Füße in schweren Halbschuhen aus braunem Leder. An den Handgelenken schimmerte ein Dutzend kupferner Reifen. Die zwei Reihen Goldmünzen, auf eine Kette gezogen, schienen viel zu schwer für ihren dünnen Hals, aber Tschaya zeigte gern, wie großzügig Nanosch zu ihr war. Zwischen ihren Lippen steckte eine kalte Meerschaumpfeife.

Termékadatok

Cím: Die Wälder des Himmels [antikvár]
Szerző: Cornelius Fischer
Kiadó: Econ Verlag Gmbh
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 140 mm x 220 mm
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