Bővebb ismertető
Die áltesten uns bekannten Theaterbauten wurden in den Ruinen der königlichen Palásté von Knossos und Phaistos auf der Insel Kréta gefunden. Von den Steinsitzen dieser stufenförmig steil aufragenden Ránge blickten etwa zweitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung vier- bis fünfhundert práchtig gekleidete und erlesen geschmückte Gaste der reichen und máchtigen Herrscher des vom dunkelwogenden Meer ringsumflossenen Landes hinab auf die ersten Bühnen der Theatergeschichte. Ob auf diesen festlich abgegrenzten Fláchen schon Schauspiele in Szene gingen oder ob das erlesene Publikum nur kunstvolle Tánze genofí, die von der siebensaitigen Leier und Doppelflöten musikalisch beschwingt waren, konnte auch durch die sorgfáltigste Auslegung der erhaltenen Fresken nicht festgestellt werden; die erstarrten Gebárden der handelnden Personen in der farbigen Darstellung lassen beide Deutungen zu. Aber hatten sich diese reizvollen Mádchen und kraftvollen jungen Mánner wirklich nur in stummer Grazié bewegt, oder hatten sie auch heilige Texte im Gleichtakt gesprochen und Bilder aus ihrem Leben und ihrem Glauben in eine dramatische Handlung gekleidet? Wir müssen uns mit Vermutungen begnügen, denn die in der Architektur, in der Maierei und im Kunstgewerbe so vielseitig und grofiartig entwickelte Kultur der Kreter hinterliefi keine schriftlichen Hinweise, die uns Aufschlufi über Art und Inhalt kretischer Schauspiele geben könnten - wenn jemals welche aufgeführt wurden. In seiner volkstümlichen Dichtung, die sich auf geschichtliche Überlieferung stützte, schilderte Homer um die Wende des ersten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung nur, wie in dem weitbewohnten Knossos blühende Jünglinge und vielgefeierte Jungfrauen den Ringelreihen tanzten, an der Hand einander haltend. Die rhythmische Förmlichkeit der in der gehobenen Sprache beschriebenen kreisförmigen Tánze um die Altáre entsprach kretischen Festgebráuchen, durch die der Gott der Fruchtbarkeit als höchste Gottheit verehrt und seine jáhrliche Wiedergeburt feierlich begangen wurde. Weniger förmlich und von ausschweifenden Tanzschritten belebt