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EINFUHRUNGWarum ist es für uns so wichtig, daß wir uns mit der Welt der Mythen und Legenden beschäftigen? Die Antwort darauf lautet: Weil wir es uns einfach nicht leisten können, die seltene Gelegenheit ungenutzt zu lassen, in die geheimsten Gedanken der Menschheit einzudringen. Denn Mythen und Legenden verkörpern eine universelle menschliche Erfahrung. Sie entstanden zu verschiedenen Zeiten an unterschiedlichen Orten als Erklärung für die Probleme, mit denen sich die Menschen konfrontiert sahen. Zu den wichtigsten Themenkreisen zählen der Sinn des Lebens, Unglück, Erfolg, Grausamkeit, Liebe und Fruchtbarkeit, Tod, das Leben nach dem Tod, Familienbande, Verrat, der Gegensatz zwischen Alt und Neu, das Verhältnis der Menschen zu den Göttern, Magie, Macht, Schicksal, Krieg, Unglücks- und Zufälle, Wahnsinn, die Schöpfung und die Beschaffenheit des Universums.In einigen Kulturkreisen kehren dieselben Themen immer wieder -so beispielsweise das Töten der Dämonen in den iranischen Epen. Ebenso großer Beliebtheit erfreuten sich im Europa des Mittelalters die Geschichten von den Heldentaten der Ritter der Tafelrunde. Daß dabei die Suche dieser Ritter nach dem heiligen Gral hauptsächlich von den alten keltischen Mythen inspiriert A^Tjrde, störte lediglich die Kirche. Alle anderen Gesellschaftsschichten faszinierte einfach die Vorstellung, daß es ein so ^^^Jnde^bares Gefäß geben könnte.Angesichts der Entwicklung der Philosophie und des wissenschaftlichen Denkens erscheint es heute jedoch nicht mehr sinnvoll, Mythen für die Bewältigung der täglichen Probleme heranzuziehen. Ja, in unserer modernen Industi'iegesellschaft gibt es so gut wie keine Mythen und Legenden mehr. Sie existieren nur noch als Geschichten vergangener Generationen, an die man sich dunkel erinnert. In anderen Teilen der Welt ist die Mythologie jedoch noch immer sehr lebendig. So beispielsweise in der religiösen Tradition Indiens, wo die Geschichten über die großen Gottheiten Vishnu, Shiva und Devi immer und immer wieder erzählt werden und dazu dienen sollen, den hinduistischen Glauben besser zu verstehen.Fast alle Religionen haben eine mythologische Dimension, die sie oft vorausgegangenen Glaubensrichtungen verdanken. So stellt beispielsweise die Gestalt von Satan, dem Teufel der Christen, eine enge Verbindung zu alten kanaanitischen und mesopotamischen Gottheiten her. Und der Name eines der wichtigsten Helfer Satans, Beelzebub (Herr der Fliegen), ist offensichdich die Verdrehung des Namens eines kanaanitischen Gottes, des Herrn des Hauses. Satan gilt als Symbol des Bösen schlechthin. Sein spektakulärer Versuch, Antonius d.Gr. in der ägyptischen Wüste zu versuchen und somit die Standhaftigkeit des asketischen Patriarchen der chrisdichen Mönche ins W^anken zu bringen, fasziniert bis heute Schriftsteller und Maler. Auch der Name des Andchrist, dem Nachfolger Satans, ist Kirchenmännern und Laien gleichermaßen geläufig.Der Reichtum an Begebenheiten und die Beschreibungen in den Mythen gewähren einen tiefen Einblick in die menschliche Seele, und die Experten sind sich keineswegs einig, wenn es um Erklärungen dafür geht. Nach C. G.Jung (1876-1961) verfügt jeder Mensch über ein persönliches und ein kollektives UnbeAATjßtes. Das persönliche Unbe-mißte wird dabei geprägt von individuellen Erfahrungen, während das kollektive Unbewoißte das geistige Erbe der gesamten Menschheit ein-Buddlui, ein wichtiges Bindeglied zwischen Mythologie und Relire