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Heinrich Schlier - Die Zeit der Kirche [antikvár]

Die Zeit der Kirche [antikvár]

Heinrich Schlier

 
I DIE BEURTEILUNG DES STAATES IM NEUEN TESTAMENT! X)ie Frage, wie das Neue Testament den Staat sieht, ist in den Grundzügen schon in der johanneischen Perikope beantwortet, die uns Jesus bei seinem Verhör vor dem römischen Prokurator Pontius Pilatus zeigt (Joh. 18, 28 bis 19, 16). Nicht als ob hier vom Staat direkt gesprochen würde, aber indirekt enthüllt sich doch in den Worten und Handlungen seines Vertreters sein Wesen, und zwar angesichts der Person Jesu selbst. Dabei treten folgende Momente heraus: 1. Der irdische Staat entdeckt...
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I DIE BEURTEILUNG DES STAATES IM NEUEN TESTAMENT! X)ie Frage, wie das Neue Testament den Staat sieht, ist in den Grundzügen schon in der johanneischen Perikope beantwortet, die uns Jesus bei seinem Verhör vor dem römischen Prokurator Pontius Pilatus zeigt (Joh. 18, 28 bis 19, 16). Nicht als ob hier vom Staat direkt gesprochen würde, aber indirekt enthüllt sich doch in den Worten und Handlungen seines Vertreters sein Wesen, und zwar angesichts der Person Jesu selbst. Dabei treten folgende Momente heraus: 1. Der irdische Staat entdeckt neben sich eine ßacjiXsia (ein Königreich), die den Anspruch macht, nicht von dieser Welt zu sein und nicht in dieser Welt begründet zu sein. Dieses Reich ist der Herrschaftsbezirk Jesu und wird in denen sichtbar, die Jesu Stimme hören und daher ebenfalls ihr Fundament, das, woher und wovon sie leben, nicht in dieser Welt haben, sondern in der Wahrheit. Dieses Reich tritt in Erscheinung in denen, die Jesus dienen und im rechten Gehorsam handeln. 2. Der irdische Staat hat keine Möglichkeit, über dieses Reich und seine Vertreter ein Urteil abzugeben. Wenn Pilatus, noch ehe er überhaupt eine Antwort auf seine Frage, wessen die Juden Jesus verklagen, erhalten hat, sagt: „Nehmet ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz" (Joh. 18,31), so spricht sich für den Evangelisten darin das Bewußtsein aus, daß Jesus von einer staatlichen Obrigkeit gar nicht verhört werden kann, daß es über ihn keine urteilsfähige weltliche Autorität gibt. Dieselbe Tatsache kommt auch ^ Um von vornherein ein Mißverständnis zu vermeiden, sei betont, daß es sich bei den folgenden Ausführungen nicht um die theologische Einzelproblematik über den heutigen Staat, also nicht um einen Abschnitt aus der politischen Ethik handelt, in dem etwa das Verhältnis von Staat und Kirche, die Frage nach dem besten Staat, das Problem der Beteiligung des Christen am Staat, das Verhalten im Kriege, in der Revolution usw. erörtert werden, sondern um die exegetische Feststellung der neutestamentlichen Aussagen über den Staat. Und das nicht nur, weil dem Verfasser die Kompetenz des Dogma-tikers fehlt, sondern weil das Neue Testament selbst sich über all das nicht explizit äußert, wohl aber in seinen Aussagen die Möglichkeit gibt, sich grundsätzliche und verpflichtende Anweisungen für die Beurteilung des Staates zu holen. Wenn freilich die aus dem Neuen Testament erhobenen Grundsätze selbst von Theologen als „zeitgeschichtlich" abgetan werden, kann man sich nicht wundern, daß sich viele Staatstheorien unserer Zeit von der des Neuen Testaments sehr weit entfernt haben.

Termékadatok

Cím: Die Zeit der Kirche [antikvár]
Szerző: Heinrich Schlier
Kiadó: Verlag Herder
Kötés: Vászon
Méret: 160 mm x 230 mm
Heinrich Schlier művei
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