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Tödliche 'Eitelkeit
Kandaules, den die Griechen Myrsilos nennen, war König in Sardeis.
Dieser Kandaules liebte seine Frau über alle Maßen, und verliebt, wie er war, glaubte er das schönste Weib der Welt zu besitzen. Nun befand sich in seiner Leibwache ein gewisser Gyges, Daskylos' Sohn, den er besonders sdiätzte. Dem vertraute er die wichtigsten Dinge an, und so pries er ihm gelegentlich auch die unvergleichliche Schönheit seiner Frau. Wenig Zeit verging, da sagte er zu ihm, denn es sollte Kandaules übel ergehen: „Gyges, du scheinst mir noch immer nicht zu glauben, was ich dir über die Schönheit meiner Frau gesagt habe (auf Berichte von anderen kann man sich ja nicht so gut verlassen wie auf die eigenen Augen), darum sollst du sie einmal nackt sehen." Da schrie Gyges laut auf und sagte: „Herr, wie kannst du so unvernünftig reden? Ich soll meine Herrin nackt sehen? Mit dem Kleide zieht das Weib auch die Scham aus. Die Menschen haben längst erkannt, was sich schickt, und das soll man sich zur Lehre nehmen. Und dazu gehört auch der Satz: Jeder sehe nur, was ihm gehört. Ich glaube dir ja gern, daß sie das schönste Weib ist, bitte dich aber, nichts Ungebührliches von mir zu verlangen."
Mit diesen Worten schlug er es ab, aus Furcht, es könnte ihm übel bekommen. Kandaules aber erwiderte: „Nur Mut, Gyges, fürchte dich nicht; ich wollte dich nicht auf die Probe stellen, als ich so sprach, und auch meine Frau wird dir nichts zuleide tun. Denn ich werde es schon so einrichten, daß sie nicht merkt, daß du sie gesehen hast. Ich will dich nämlich in unserm Schlafgemach hinter die offene Tür stellen. Gleich