1. Kapitel Gib es zu, Beryll Aylthorne, spottete die Stimme in meinem Inneren, die nun so lange geschwiegen hatte. Du hast Angst. Ganz schlicht Angst. Du láufst davon und hoffst, dass du die Vergangenheit hinter dir lásst. Sie holt dich ein, meine Liebe, sie ist nicht vergessen, ebenso wenig wie die Namen der Toten... In der Stille des altén, verwitterten Pavillons, in den ich mich geflüchtet hatte, herrschte gedámpftes grünes Zwielicht. Die tiefhángenden Weidenzweige verbargen die Risse in den Marmorsáulen, und zu Füfien der...
1. Kapitel Gib es zu, Beryll Aylthorne, spottete die Stimme in meinem Inneren, die nun so lange geschwiegen hatte. Du hast Angst. Ganz schlicht Angst. Du láufst davon und hoffst, dass du die Vergangenheit hinter dir lásst. Sie holt dich ein, meine Liebe, sie ist nicht vergessen, ebenso wenig wie die Namen der Toten... In der Stille des altén, verwitterten Pavillons, in den ich mich geflüchtet hatte, herrschte gedámpftes grünes Zwielicht. Die tiefhángenden Weidenzweige verbargen die Risse in den Marmorsáulen, und zu Füfien der Steinbank wucherten Moos und Efeu. Eine sanfte Brise bewegte den Bláttervorhang und gab von Zeit zu Zeit den Blick auf Aylthorne-House frei. Drei Etagen hoch, mit riesigen Fenstern, einer reich verzierten Fassade und figurengeschmückter Dachbalustrade, spreizte es sich in der Frühlingssonne wie ein altér Pfau. Seit es zum Heim für meine Familie geworden war, seit das Geschrei meiner Kinder und das Lachen meines Gatten seine Mauern fülke, hatte ich es lieben gelernt. Doch der Brief, der heute Morgen aus Irland eingetroffen war, erinnerte mich an andere Tage. An Schrecken, Lügen, Todesangst und Hass. Vielleicht konnte ich mich deswegen so wenig entschlieLen, das Siegel zu brechen. Ich starrte auf den Namen über der Adresse, der mir inzwischen zur Selbstverstándlichkeit geworden war, und meine Gedanken glitten zurück. Zu jenem fernen Frühling, als Gilbert Aylthorne in mein Leben trat. Ich war einundzwanzig Jahre alt, von eher farblosem Aussehen und guter Intelligenz. Aber von jungen Mánnern hatte ich nicht viel mehr Ahnung als Rosalie und Chrisobel, die beiden Töchter von Sir Casey O'Camaron, für deren Erziehung ich verantwortlich war.
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