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Für den Bericht vom Leben und Schaffen Dietrich Fischer-Dieskaus hat das Jahr 1742 eine gewisse Bedeutung. Damals schrieb Johann Sebastian Bach seine Kantate „Mer hahn en neue Oberkeet". Vermutlich tat er das seinem langjährigen Mitarbeiter, dem Kantatendichter Henrici, zuliebe, der Anlaß hatte, dem Kammerherrn Carl Heinrich von Dieskau in Kleinzschocher bei Leipzig zu schmeicheln. Bach machte sich die Arbeit nicht allzu schwer. Einige Melodien übernahm er aus anderen Werken. Denn alle Kräfte seiner musikalischen Phantasie, die sich nicht mehr so überschäumend regte wie in früheren Jahren, brauchte er für den zweiten Band des Wohltemperierten Klaviers, der in der gleichen Zeit entstand. Die Bauernkantate blieb, daran gemessen, ein Nebenwerk. Ob ihm der Kammerherr von Dieskau näher bekannt gewesen ist, wissen wir nicht. Die Brücke von jenem Dieskau zu dem heutigen Träger dieses Namens ist freilich nicht allzu eng. Dietrich Fischer-Dieskau stammt von jenem Kammerherrn über seinen Vater ab. Er, ein geborener Fischer, fügte seinem Familiennamen den seiner Mutter hinzu. Er trug somit als erster den Namen Fischer-Dieskau. Dietrich Fischer-Dieskau bildet mit seinen Brüdern also die erste Generation derer, die mit diesem Doppelnamen geboren wurden. Wenn man auch nicht im mindesten weiß, ob der von Bach besungene Kammerherr von Dieskau musikalisch war — und manches in der Bauernkantate läßt eher darauf schließen, daß Bach von Dieskaus musikalischer Begabung nicht recht überzeugt war — so ist doch bemerkenswert, daß sich in den Dieskaus seitdem überragende musikalische Begabung gesammelt hat.
Dietrich Fischer-Dieskaus Vater wirkte als Oberstudiendirektor im südlichen Berlin. Es war ihm ein Bedürfnis, neben seiner beruflichen Arbeit zu dichten und zu komponieren. Gewiß hat es eine tief menschliche Bedeutung, daß Dietrich Fischer-Dieskau im 60. Lebensjahr seines Vaters geboren wurde. Spätes Glück hatte ihm diesen Sohn geschenkt. Dietrichs Mutter wäre für ihr Leben gern Sängerin geworden, denn sie bewunderte zeitlebens die Tenorbegabung ihres Vaters. Dieser Wunsch ließ sich allerdings nicht erfüllen. Mit um so größerer Freude erlebte sie die außergewöhnliche Sängerbegabung ihres Sohnes. Sie war eine leidenschaftliche Liebhaberin des Klavierspiels. So lag es nahe, daß sie ihre