Bővebb ismertető
Vorwort
Die Schwächen eines Buchs sind oft der Ausgleich für leere Intentionen, die sich nicht verwirklichen ließen. In diesem Sinne zeugt eine Absichtserklärung von einer echten Bescheidenheit hinsichtlich des idealen Buchs. Oft wird gesagt, Vorreden dürften nur zum Schluß gelesen werden. Umgekehrt muß der Schluß jeweils zu Beginn gelesen werden; dies trifft auf unser Buch zu, in dem der Schluß die Lektüre des Rests erübrigen könnte. Das hier verhandelte Thema liegt ganz offenbar im Geist der Zeit. Die Zeichen dafür lassen sich festhalten: die immer schärfere Ausrichtung Heideggers auf eine Philosophie der ontologischen Differenz; die Anwendung strukturalistischer Verfahren, die auf einer Verteilung differentieller Merkmale in einem Raum von Koexistenz beruhen; die Kunst des zeitgenössischen Romans, der um Differenz und Wiederholung kreist, und zwar nicht nur in seiner abstraktesten Reflexion, sondern auch in seinen handgreiflichen Techniken; die in allen möglichen Gebieten vollzogene Entdeckung einer Macht, die der Wiederholung eignet und ebensogut dem Unbewußten, der Sprache, der Kunst zukäme. All diese Zeichen können einem verallgemeinerten Antihegelianismus zugeschlagen werden: Die Differenz und die Wiederholung sind an die Stelle des Identischen und des Negativen, der Identität und des Widerspruchs getreten. Denn nur in dem Maße, wie man die Differenz weiterhin dem Identischen unterordnet, impliziert sie das Negative und läßt sich bis zum Widerspruch treiben. Der Vorrang der Identität, wie immer sie auch gefaßt sein mag, definiert die Welt der Repräsentation. Das moderne Denken aber entspringt dem Scheitern der Repräsentation wie dem Verlust der Identitäten und der Entdeckung all der Kräfte, die unter der Repräsentation des Identischen wirken. Die moderne Welt ist die der Trugbilder [simulacres]. Hier überlebt der Mensch nicht Gott, überlebt die Identität des Subjekts nicht die der Substanz. Alle Identitäten sind nur simuhert und wie ein optischer „Effekt" durch ein tieferliegendes Spiel erzeugt, durch das Spiel von Differenz und Wiederholung. Wir wollen die Differenz an sich selbst und den Bezug des Differenten zum Differenten denken, unabhängig von den Formen der