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ERSTES KAPITELMontagEs ist Frühling geworden. Noch vor Tagen schien es, als wolle der Winter in diesem Jahr überhaupt nicht weichen. Bis fti den späten April hinein hatte er seine Armeen aus Schnee und Eis in Marsch gesetzt, hatte versucht, seine Macht mit frostigem Hauch zu erhalten, aber nun ist der Bann gebrochen. Fast über Nacht hat die Baumblüte eingesetzt. Rosafarbene Pfirsichblüten stehen neben dem leuchtenden Weiß der Kirschen.Ich ziehe die Vorgartentür hinter mir ins Schloß und trete auf die stille Straße hinaus. Eine köstliche Frische liegt in der Luft, die durch alle Poren dringt und den Geruch feuchter Erde und junger Knospen in sich vereint. Spatzen nehmen fedemschüttelnd ihr Morgenbad in einer Pfütze. Wassertropfen glitzern in der Sonne, und die Farben der Siedlungshäuschen erscheinen pasteilen.Ein Eisenzaun wirft sein Schattengitter auf den Asphalt. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und weiche mit tänzelndem Sidestep aus. Der Gedanke, daß ein zufälliger Beobachter den alten Zander für übergeschnappt halten könnte, belustigt mich. Mir ist, als sei der heutige Tag nur für den einen Zweck gemacht - für die Freude am Leben.In der Straßenbahn wie an jedem Morgen dieselben Gesichter. Die Stammfahrer sitzen auf ihren Plätzen. Leichtes Nicken reihum, man kennt sich. Die Sportfans sind in ihre Zeitungen vertieft. Zufriedene Mienen registriere ich und ahne, daß der FC Hansa mal gewonnen hat.Ich sitze auf meinem Fensterplatz, genieße schweigend die Fahrt in das Stadtzentrum. Häuser rücken dichter heran, Neubauten schließen die Lücken im Straßenbild und geben den Wohnvierteln großstädtisches Gepräge. Die Elf rumpelt über den Schröderplatz und biegt in die Lange Straße ein. Linker Hand reckt das elfgeschossige Haus der Schiffahrt"