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4 Mommsen HANS MOMMSEN WIDERSTANDSFORSCHUNG UND POLITISCHE KULTUR IN DEUTSCHLAND UND ÖSTERREICH Festvortrag anlá&lich der Jahresversammlung und des 30, Jahrestags der Gründung des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes im GroBen Festsaal des Wiener Rathauses, 10. Márz 19931 Der AnlaB, der uns zusammenführt, das dreiBigjáhrige Bestehen des DÖW, dessen Aufbau das eigentliche Lebenswerk unseres Freundes Herbert Steiner darstellt, legt nahe, sich darüber Rechenschaft abzulegen, welche Bedeutung Geschichte und Erforschung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus in unseren beiden Lándern in einer Situation zukommt, die durch das Ende der Nachkriegsgeschichte bestimmt ist. Ein Vergleich der Formen und Aktionén des Widerstands in beiden Lándern láBt zunáchst die Unterschiede hervortreten, die durch die andersartigen Entwicklungsbedingungen und politischen Voraussetzungen gegeben gewesen sind. Für Österreich ist dabei nicht nur das Zwischenspiel des Austrofaschismus bedeutsam, das vorübergehend die österreichischen Nationalsozialisten in eine taktisch analógé Front mit den unterdrückten Sozialisten rückte und nach 1938 AnlaB zu bestimmten Verwerfungen bot. Anders als in Deutschland war der sich seit 1938 ausformende österreichische Widerstand ungewöhnlich vielfáltig und spiegelte die richtungspolitische Aufsplitterung wáhrend der Ersten Republik. Er war jedenfalls zunáchst keineswegs eindeutig durch das Bekenntnis zur Unabhángigkeit Österreichs geprágt, obwohl eine Entsprechung zwischen ÖsterreichbewuBtsein und Engagement im Widerstand allenthalben zu konstatieren ist und sich nach 1943 auch eine nationalösterreichische Ausrichtung der verschiedenen oppositionellen Gruppén ergab, wobei die Revolutionáren Sozialisten und die Vertreter der Sozialdemokratie, die im Unterschied zur KPO an der gesamtdeutschen Orientierung lange festgehalten habén, sich schwer tatén, von der groBdeutschen Linie abzurücken. In Österreich bildeten sich unterschiedliche Oppositionshaltungen aus,