Bővebb ismertető
6 Botz/Müller- "1945" gerhard botz/albert müller "1945": "stunde null", historischer bruch oder kontinuitát mit der ns-zeit und der ersten republik? Das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs in Österreich, zugleich der Beginn jener gegenwartsgeschichtlichen Periode, die Zweite Republik genannt wird, wurden von der unausgesprochenen Staatsdoktrin dieser Republik und von den Führungen der drei staatsgründenden Partéién und Verbánde von Anfang an als grundlegende historische Zásur, als "Neubeginn", als "Stunde Null" definiert.1 Die Doktrin des "Neubeginns" in einer "Stunde Null" bestimmte nicht nur fast ein halbes Jahrhundert österreichischer Aufienpolitik, in der sie noch bis zur Erlangung des Staatsvertrages von 1955 berechtigt gewesen sein möchte, sondern lange Zeit auch die gesamte staatliche Bildungs-, Kunst- und sonstige Kulturpolitik. Es war dies wohl kaum etwas anderes als der Versuch einer "Abspaltung" der damals noch unmittelbaren Vergangenheit2; oder deutlicher: eine Verleugnung der umfassenden Involvierung von Östejreichern in den NS-Staat, seine Institutionen, seine Kriege, seine Verbrechen.3 Gegen diese Diskontinuitats-Thesen erhoben sich erst allmahlich politisch motivierte und noch spater wissenschaftlich begründete Bedenken: zunachst - zögernd und abgeschwácht - vor allém seitens der studentischen "Neuen Linken" seit den spáten sechziger Jahren, seitens kritischer (katholischer und sozialistischer) Demokraten und undogmatischer "Linker" seit den siebziger Jahren und schlieBlich, im zeitlichen Umfeld der "deutschen Einigung", von seiten neonazistischer Splittergruppen, die Österreich als einen von - ihrer Vorstellung nach - drei Nachfolgestaaten des "GroBdeutschen Reiches" ansahen. Erst wáhrend der öffentlichen Kontroversen um die Einschátzung der Kriegsvergangenheit von Bundesprásident Waldheim brach der latente Konflikt um diese gegenwartsgeschichtliche Grundfrage des österreichischen Geschichtsbildes offen auf, und seither ist, ablesbar auch in den elektronischen