Bővebb ismertető
Von den klassischen Dichtern Rufílands ist Dostojewskij heute der lebendigste, russisch und allmenschlich in gleichem Mafie. Ein grofíer Teil der modernen Literatur, in Amerika wie in West- und Osteuropa, diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs, hat sich von seinem Brot ernahrt. Das Schrifttum der Gegenwart ist ohne Dostojewskij, den Mathematiker der Seelengleichungen mit mehreren Unbekannten, nicht denkbar. Für die anthropozentrischen Dichter, aber auch die anthropozentrischen Leser, für die der Mensch im Mittelpunkt alles Seienden steht, ist er ein Wegweiser. Man greift zu Dostojewskij, wenn man von den starren Dogmatikern, von den Vernunftspinnen, dem Ehrgeizgezappel, den Gefühlchen und verderbten Lüstchen müde geworden ist und menschlich zum Menschen, zu den Urfragen des Seins zurückkehrt. Wir lesen ihn, wenn wir es satt habén, uns mit den talentvollen und talentlosen Epigonen zu beschafligten, und uns die Kunststücke der Trapezartisten der Angst von Kierkegaard bis Sartre langweilen. Dostojewskij hilft uns die zu allén Zeiten und bei allén Völkern gleichen Probleme entwirren, er beunruhigt uns durch die Fragen: Wer bin ich als Mensch an sich, losgelöst von Eltern, Nation und Geschichte? Warum lebe ich? Welch ein Recht habe ich zu leben? Welch eine Verantwortung trage ich dem Ich und dem Du gegenüber? Er bedrangt und bestürzt den Leser, er macht es ihm unmöglich, in der gewohnten Gleichgültigkeit weiterzuvegetieren. Hált man sich streng an das Tatsachenmaterial, so wirkt Dostojewskijs Leben in seiner sinnerfüllten Einheit, in seinem gewaltigen Schmerzensreichtum und seiner unverlöschbaren Leuchtkraft wie eine Tragödie grofíen Stils. Seine Romane sind phantastisch, sein Leben aber noch viel phantastischer, denn nichts ist so unglaubwürdig wie die Wirklichkeit. In einer Dostojewskij-Biographie bedeutet jede Retusche Verkleinerung der Gröfíe, Sentimentalisierung des