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Vorwort der Ncuaus^abc 2004
Shakespeares Leben und "Werk
Ist William Shakespeare tatsächlich der große Unbekannte der Literaturgeschichte, über dessen Leben nur ungenügende Daten und Fakten bekannt sind? Die Legende vom lückenhaften Lebensweg ist vor allem in der älteren Forschung stark ausgeprägt und hat sich im allgemeinen Bewußtsein des Lesers festgesetzt. Viele Menschen meinen noch immer, daß über Shakespeares Leben fast nichts oder zumindest nur wenig bekannt ist.
Tatsächlich ist Shakespeares Lebenslauf bestens erforscht und durch viele schriftliche Zeugnisse belegbar. Das reichliche Akten- und Quellenmaterial zum Leben des englischen Dramatikers und seiner Familie vwrde in den letzten 200 Jahren so intensiv gesichtet und ausgewertet, daß Shakespeares Leben trotz einiger dokumentarischer Lücken als eines der besterforschten Biographien der Renaissance gelten kann. Aus den Dokumenten lassen sich nicht nur einfache Lebensdaten erschließen, sondern sie geben zudem Auskunft über die Verhaltensweisen, Lebensziele und Bestrebungen einer bürgerlichen Familie während der Regentschaft von Elisabeth 1. Eigentlich war Shakespeare kein typischer Vertreter seiner Epoche, sonst wäre er wie die meisten seiner Zeit lebenslang im Geburtsort geblieben. Schon dem Vater gelang, was der Sohn später in größerem Ausmaß vollbrachte: den gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieg voranzutreiben.
Am 26. April 1564 wird »Gulielmus filius Johannes Shakespeare« gemäß Eintragung im lürchenbuch in Stratford, einem Städtchen mit ländlicher Prägung in der Grafschaft Warwick-shire in Mittelengland, getauft. Das Geburtsdatum auf das Fest des Heiligen Georg, den 23. April, festzusetzen, ist zwar Teil der Shakespeare-Legende, kann aber durchaus zutreffen. Die Eltern, John und Mary, hatten insgesamt acht Kinder, von denen nur fünf die Kindheit überlebten. William war das dritte Kind und gleichzeitig der älteste Sohn. Schon zuvor hatte der soziale Aufstieg der Familie begonnen. Die Landwirtschaft wurde aufgegeben und der gepachtete Hof zurückgegeben. Shakespeares Vater zog vom bäuerlich geprägten Umland in die Stadt, wo er sich als Weißgerber, Handschuhmacher und Täschner niederließ. Den eigentlichen Grundstein seines sozialen Aufstiegs hatte er mit der Heirat einer Tochter aus alter, angesehener »gentrya-Familie gelegt. Seine Eheschließung mit Mary Arden galt schon damals als vorteilhaft, hatte doch der niedere Adel eine bedeutsame Stellung im elisabethanischen England. John Shakespeare sammelte Ehrenämter, war Ratsherr, Friedensrichter und Stadtvorsteher, obwohl er als Analphabet Dokumente mit ICreuzen unterzeichnete. Die Familie prosperierte; mehrte neben dem Wohlstand auch das Ansehen. Immobilienkäufe dokumentierten den wachsenden Reichtum.
Ob der Sohn William tatsächlich die Lateinschule von Stratford, die »grammar school«, besuchte, läßt sich nicht eindeutig nachweisen, gilt aber als wahrscheinlich. Angesichts der vielen