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VORWORTAn einem Aprilabend des Jahres 1799 trifft, von Berlin kommend, ein einzelner Reiter in Frankfurt an der Oder ein. Ohne Rast hat er den Weg im Galopp zurückgelegt. Kaum in der Stadt eingetroffen, begibt er sich unverzüglich in die Wohnung des Predigers Christian Ernst Martini, und als er erfährt, dieser sei nicht daheim, sondern im Konzert, wendet er sich ohne Aufschub dorthin. Martini, eben im Begriff, den Konzertsaal zu verlassen, fühlt sich plötzlich vertraulich auf die Schulter geschlagen; der erschreckt sich Umwendende erkennt in der jugendlichen Gestalt im langen Reitermantel seinen Freund und ehemaligen Schüler Heinrich von Kleist, der ihm in größter Hast und Erregung mitteilt, er habe nun endlich durch königliche Kabinettsorder seinen Abschied aus dem preußischen Heer erhalten, um den er nachgesucht, und wolle an der heimatlichen Universität sein Studium aufnehmen. So schnell, wie er gekommen, verschwindet er wieder. Die Gründe für diesen Schritt, den entscheidendsten seines Lebens, braucht er dem Freund nicht'auseinanderzusetzen, hat er sie doch unlängst in einem langen Brief ausführlich dargelegt:Nicht aus Unzufriedenheit mit meiner äußern Lage, nicht aus Mangel an Brot, nicht aus Spekulation auf Brot - sondern aus Neigung zu den Wissenschaften, aus dem eifrigsten Bestreben nach einer Bildung, welche, nach meiner Überzeugung, in dem Militärdienste nicht zu erlangen ist, verlasse ich denselben." Es war jedoch nicht nur der Drang nach Bildung, es war vielmehr das tiefe Unbehagen an eben dem Militärwesen selbst, die seelische Belastung, anders als Offizier, anders als aufgeklärter, den neuen freiheitlichen bürgerlichen Idealen zugewandter Mensch handeln zu müssen, was Heinrich von Kleist zu jenem bedeutsamen Entschluß veranlaßt hat: Die größten Wunder militärischer Disziplin, die der Gegenstand des Erstaunens aller Kenner waren, wurden der Gegenstand meiner herzlichsten Verachtung; die Offiziere hielt ich für so viele Exerziermeister, die Soldaten für so viele Sklaven, und wenn das ganze Regiment seine Künste machte, schien es mir als ein lebendiges Monument der Tyrannei. Dazu kam noch, daß ich den Übeln Eindruck, den meine Lage auf meinen Charakter machte, lebhaft zu fühlen anfing. Ich war oft ge-