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VORWORT
Um die Intermezzi Op. 117, die Brahms während des Sommers 1892 in Bad Ischl komponierte, machte er gegenüber seinen Freunden und seinem Verleger zunächst ein Geheimnis und erging sich in Andeutungen. Sie erschienen dann Ende 1892 bei N. Sim-rock in Berlin gemeinsam mit Op. 116. Das erste Stück aus Op. 117, dem Brahms „Schlaf sanft mein Kind" aus Herders Stimmen der Völker zugrunde gelegt hat, wollte Simrock auch separat als Wiegenlied herausbringen, weil er sich davon einen ähnlichen Erfolg wie von „Guten Abend, gut' Nacht" erhoffte. Brahms jedoch wehrt dieses Ansinnen mit der scherzhaften Bemerkung ab, man könne es dann hödistens „Wiegenlied einer unglücklichen Mutter (Untertitel bei Herder) oder eines trostlosen Junggesellen" oder mit Klingerschen Figuren „Singet Wiegenlieder meinem Schmerzeu nennen. Im Gespräch mit seinem Freund Rudolf van der Leyden soll Brahms die Intermezzi zuerst „Drei Wiegenlieder meiner Schmerzen" genannt haben, eine Bezeichnung, die sich in der Literatur erhalten hat. Möglicherweise hat auch für No. 3 ein Volksliedtext,
nämlich: „O weh! O weh, hinab ins Tal, und weh, und weh, den Berg hinan, den Berg hinana Brahms als Inspirationsquelle gedient. Er hat das Gedicht, das im Sprachrhythmus genau auf die Melodie des 3. Intermezzo paßt, in seinem Exemplar von Herders Volksliedern angestridien.
Wie üblich, sandte Brahms die Intermezzi schon vor ihrem Erscheinen handschriftlich an seine engsten Freunde Clara Schumann und Joseph Joachim, nicht zuletzt, um deren Kritik zu erfahren. Clara Schumann notierte über Op. 116 und 117 in ihrem Tagebuch: „eine wahre Quelle von Genuß; alles, Poesie, Leidenschaft| Schwärmerei, Innigkeit, voll der wunderbarsten Klangeffekte Die Brahmsschen Stücke sind, was Fingerfertigkeit betrifft, bis auf wenige Stellen, nicht schwer, aber die geistige Technik darin verlangt ein feines Verständnis, und man muß ganz vertraut mit Brahms sein, um sie so wiederzugeben, wie er es sich gedacht
Hans-Christian Müller