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Obwohl die Berge die geologischen Prozesse, die die Erdoberfläche formen, am augenfälligsten zum Vorschein bringen, konnte jahrhundertelang keine schlüssige Erklärung für ihre Entstehung gefunden werden. Geologen früherer Generationen mühten sich, die Kräfte zu erkennen, die solch gravierende Veränderungen der Erdoberfläche hervorbringen. Und sie sahen sich überdies einer Vielzahl kleinerer Rätsel gegenüber: den Vulkanausbrüchen, die manche Gipfel zersprengen; der Tatsache, daß Berge nicht verstreut vorkommen, sondern in langen, mehr oder weniger schmalen Gürteln; und dem Vorhandensein fossiler Reste von Meeresorganismen in hohen Gebirgsregionen -ein Umstand, der darauf hindeutet, daß manche Berge vom Grund urzeitlicher Meere emporgehoben wurden.
Bis zum Jahr 1962 blieb der Ursprung der Berge in Dunkel gehüllt, und manche Geologen hatten die Hoffnung aufgegeben, in absehbarer Zeit eine Erklärung zu finden: „Die Möglichkeit einer endgültigen Lösung scheint noch weiter in die Ferne gerückt", schrieb der britische Wissenschaftler Peter Chadwick. Aber schon im folgenden Jahrzehnt wurde ein umwälzend neues Bild der Erde gewonnen, und die Entstehung der Berge und alle sie umgebenden Geheimnisse erschienen in einem neuen Licht.
Die neuen Erkenntnisse über "die Wirkungsweise geologischer Prozesse, verkörpert in der Lehre von der Plattentektonik, erwuchsen nicht aus dem Studium vertrauter Gebirgszüge. Sie beruhten auf der Synthese von Forschungsarbeiten, die auf vielen anderen Gebieten geleistet wurden: Studien über die Verteilung von Fossilien, Messungen magnetisierter Gesteine zur Bestimmung der Position der Magnetpole in vergangenen Zeitaltern und wissenschaftlichen Untersuchungen des Meeresbodens. Den eindrucksvollsten Beweis für die neue Theorie lieferte ein Gebirge, das bis dahin kaum bekannt war: das rund 65 000 Kilometer lange System der untermeerischen Rücken, das die Ozeanbecken der Erde durchzieht.
Aus heutiger geologischer Sicht betrachtet, erscheinen die Berge ehrfurchtgebietender denn je. Nach den neuen Erkenntnissen sind sie das Ergebnis einer langsamen Bewegung riesiger Platten, aus denen'die Oberflächenschichten der Erde bestehen. Dieser durch die Erdzeitalter andauernde Prozeß faltet durch Plattenkollisionen, bei denen unvorstellbare Kräfte wirksam sind, nicht nur Gebirge auf, er läßt auch Ozeane entstehen und vergehen und zerbricht und verformt ganze Kontinente.
Die Abendsonne vergoldet den 3700 Meter hohen Mount Huntington in Alaska, der das Ergebnis eines titanischen Zusammenpralls der Nordamerikanischen und der Pazifischen Krustenplatte ist.
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