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Berlin, 24. Januar 1945Es ist klirrend kalt draußen. Meine Augen können sich fast nicht mehr vom Fenster abwenden, da hier drinnen sowieso nichts Interessantes zu sehen ist.Ich sehe Massendeportationen, weinende Kinder und Frauen, eiskalte SS-Männer, denen man ihren Frust schon im Gesicht ablesen kann. Ich habe noch nie so viele Juden auf einem Haufen gesehen. Muss wirklich schlimm sein, verfolgt zu werden.Ich höre Schritte, die immer lauter werden. Als ich mich umdrehe, sehe ich einen großen, stattlichen Mann im Türrahmen stehen. Es ist Hauptmann Reiner Hartmann. Heü dem Führer! Was stehen Sie denn so verloren am Fenster?"Heü Hitler! Ich beobachte das Geschehen von draußen, Herr Hauptmann."Wundervoll, nicht wahr? Die Ratten werden weggebracht." Ich nicke nachdenklich.Als Hartmann nach draussen geht, gehe ich weg vom Fenster, da ich schon weiss, was passieren wird. Er wird Menschen zur Deportation ins Konzentrationslager selektieren. Ich will nicht sehen, wie er diese unschuldigen Menschen quält. Ich kann mich auch anderweitig beschäftigen.Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie ich der SS nur beitreten konnte. Vater wollte immer, dass ich einmal Gutes für mein Vaterland tun würde. Doch Menschenausrottung gehört doch nicht zu der Pflicht eines Patrioten? Ich bin jetzt 21 Jahre alt und habe das Gefühl, dass ich aus diesem Schlamassel nicht mehr rauskommen werde. Ich wollte doch nur meinem Deutschen Reich dienen, und jetzt bin ich einer von vielen, der dazu beiträgt, dass ein Massenmord entsteht. Wenn man sich doch nur gegen das alles hier wehren könnte.Mein Magen knurrt und es ist Zeit, Abendessen zu gehen. Das Hauptquartier der SS, in dem ich mich befinde, ist riesig. An jeder Tür wacht ein Soldat.Michael, wo warst du so lange?", höre ich meinen Kollegen Pfeiffer am Eingang der Kantine rufen.l