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Abschiedsworte für Ferenc Szász^
Ferenc Szász gekannt zu haben, ist ein unvergleichlicher Vorzug, un-einholbar und nicht zu ersetzen. Worte vermögen in Erinnerung rufen, was man mit ihm verloren hat, den Blick in eine Zukunft ohne ihn ahnbar machen, die leere Stelle andeuten, die er hinterlässt und die traurig macht. Von weitem erkannte man ihn und unter vielen, an seiner Haltung, seinem Gang. Und dann, an der Stimme, wie er: „Ja sicher!" sagte. Das war er, der andere gelten ließ und ermunterte. Abschied nehmen von Ferenc Szász, lässt fühlen, was man mit ihm erleben durfte.
In der Erinnerung der Familie, der Freunde und Kollegen lebt er weiter, und er lebt weiter in den Worten, die er hinterlassen hat, den Briefen, er lebt weiter in allem was er geschrieben hat. In dieser Hinterlassenschaft kann man ihm begegnen und da findet man ihn, der den Tatsachen immer den Vorzug gab gegenüber allem Meinen. Da findet man ihn, mit seinem unglaublichen Gedächtnis, seinem Wissen, seiner ganzen Bildung, die eine Bildung war des Geistes wie des Herzens. Ferenc Szász war ein Kulturmensch, der sich umgesehen hatte in der Geschichte, der politischen, der gesellschaftlichen, der Geschichte der Kunst. Darin war er von einer unermüdlichen Aufmerksamkeit, offen immer für Neues. In seinen letzten Lebenstagen noch besuchte er die Ausstellung „von luther zum bauhaus" in der Nationalgalerie und zwei Tage später, am 6. Oktober, 10 Tage vor seinem Tod, lauschte er in der Basilika des heiligen Stefan dem Vortrag eines spanischen Chors aus Montserrat im Wissen um die Einheit und Tradition des christlichen Abendlandes.
So haben wir ihn kennen gelernt, den Gelehrten und Rilke-Spezialisten, auf den Tagungen der Rilke-Gesellschaft die Jahre hindurch und bis zuletzt, in Budapest, in Marburg, in München und Freiburg, als einen kundigen, bis ins Detail aufmerksamen Kenner der Archive in Bern und Marbach, des Forschungsstandes, der Neuerscheinungen, der offenen Fragen. Es muss niemand wundern, dass seine letzte, eben im Internet zugänglich gewordene Arbeit das Ergebnis ist einer mühsam-aske-tischen, jahrelangen, unnachgiebigen Versenkung in die Quellen, in das
1 Mit den Abschiedsworten von Prof. Dr. August Stahl (Saarbrücken), die erßr die Veröffentlichung freigegeben hat, gedenken wir unseres Kollegen Dr. habil. Ferenc Szász (!943-2006)