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„Hoc'1 sind die Berge und dunkel das Tal; groB ist die Ebene und weit die Gegend", singt schon das Rolandslied, in dem etwas von jener eigenartig wehmütigen Stimmung widerhallt, die den Reisenden auch heute noch überkommt, wenn er durch die einsamen, urtümlichen und wilden Pyrenaen fahrt. Ihre schweigsamen Táler tragen etwas Schwermütiges und Yerlorenes in sich, sie öffnen sich der Bewunderung nicht so rasch wie die der Alpen. Ihre Passe habén verschiedene Gesichter: Manchmal sind es sanfte Kuppen, zwischen denen man fahrt, in anderen Fallen verbinden sie schroffen Hochgebirgscharakter mit wüstenartiger Einsamkeit. Westen und Osten des weiten Gebirgszugs sind voneinander in Formation und Charakter oft ebenso gründlich unterschieden wie Nordseite und Südseite. Hier Hegen die Landschaften der verschiedenen altén Grafschaften, die sich südwárts in weichen Wellenlinien oder unüberblickbaren Ebenen ausdehnen: Navarra - ein baskischer Name, der „weites Tal" bedeutet Aragonien und Katalonien; alle strahlen sie den Zauber uralten Seins aus. Spanien - auch schon der an die Pyrenáenkette angelehnte nördliche Teil des Landes - hat ein besonderes historisches und geistesgeschichtliches Geprage, verwirrend und schwer durchschaubar. Aber gerade dieser Umstand macht eine Begegnung mit diesem Land so reizvoll, neuartig und reich an Überraschungen. Jeder Landesteil zeigt ein eigenes Gesicht, obwohl sich ein spezifisch spanisches BewuBtsein schon seit dem 8. Jahrhundert heranbildete: Der Nordwesten fand durch den Kult um St. Jákob zusammen, und Kastilien war im Begriff, sich die tragende und führende Position zu erobern, die es spáter beibehielt; denn die Grabstátte des spanischen Nationalheiligen war für die mittelalterliche spanische Geschichte von einer überragenden und kaum zu überschátzenden Bedeutung. Nur Katalonien kehrte all dem seinen Rücken zu, denn es lag vom Weg nach Santiago zu weit entfernt. Unter den nördlichen Lándern, die sich direkt an die Pyrenaen anschlieBen, ist es mit den Provinzen Barcelona, Gerona, Lérida und Tarragona jedoch das in jeder Hinsicht reichste. Die Geburt Spaniens aber, des christlichen Spanien, vollzog sich im kantabrischen Gebirge, im Tal von Covadonga, wo der Widerstand gegen die Mohammedaner schon vor dem Auftreten Karls des GroBen und vor dem ersten europáischen Kreuzzug ins Heilige Land (1095) unter dem letzten Gotenkönig Palayo im Jahr 718 begonnen hatte. Erst spáter, nach Kari auch unter Ludwig dem Frommen, wurden immer wieder Kriegszüge über die Pyrenáen ins Werk gesetzt.