Bővebb ismertető
EIN LEITUN G lm Jahre 1847 erhielt Grillparzer in Wien ein Heft mit Gedichten zugeschickt. In dem beiliegenden Schreiben bat die Absenderin, eine Dame des österreichischen Hochadels, um eine Beurteilung. Der Dichter antwortete bald darauf und schrieb, daft „die Gedichte unverkennbare Spuren von Talent" aufwiesen. Er fuhr fort: ,,Ein höchst gliickliches Ohr für den Vers, Gewalt des Ausdrucks, eine viellcicht auch nur zu tiefe Empfindung, Einsicht und scharfe Beurteilungsgabe in manchen der satirischen Gedichte bilden sich zu einer Anlage, die Interesse weckt und deren Kultivierung zu unterlassen wohl kaum in der eigenen Willkür der Besitzerin stehen dürfte." Hieran fügte Grillparzer noch eine Bemerkung über gewisse Mángel in den Gedichten, die sich mit dem Reifen des Talents von selbst verlieren würden. So erfreulich und ermunternd die briefliche Rezension für die „Besitzerin", die Schöpferin der Gedichte, sein mufíte, so wenig konnte sie den eigentlichen Zweck der erbetenen Beurteilung crfüllen. Die Grafin Dubsky-Kolowrat, die Stiefmutter der etwa siebzehnjahrigen Marié Dubsky (der spáteren Ebner-Eschenbach), hatte sich im Auftrage der Familie, die an den poetischen Versuchen und selbst an dem Wissensdurst Maries Anstotó nahm, an den berühmten Dichter gewandt, in der Erwartung, ein ncgatives Urteil zu erhalten. Nun trat das Entgegengesetzte ein; Marié sah sich nicht nur gegen die Ablehnungder Familie gerechtfertigt, die Worte des verehrten Meisters ermunterten sie sogar, ihre literarischen Bemühungen trotz des Widerstandes fortzusetzen. In den Augen der Familie Dubsky waren kiinstlerische und wissenschaftliche Interessen, wenn sie nicht als blofie aristokratische Liebhaberei aufgefaík, sondern mit ernstem Eifer betrieben wurden, absonderliche und geradezu unglückliche Passionen. Eine junge Adlige vom gesellschaftlichen Rang einer Dubsky mit der Neigung zur Literatur widersprach völlig den Auffassungen und Traditionen standesgemáfter Lebensart. Die Familie Dubsky, die dem tschechischen Uradéi entstammte, gehörtc zu den Feudalgeschlechtern des altén Österreich,