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Vorwort
Der Gedanke, der diesem Buche zugrunde liegt und den Verfasser leitete, läßt sich durch nichts besser ausdrücken, als durch das Wort des großen Naturforschers Isaac Newton: „Hypothesen bilde ich nicht!"
Goethe hat ihn in eine andere Form gekleidet, indem er ausführt: „Warum ich zuletzt immer mit der Natur verkehre, ist, weil sie immer recht hat und der Irrtum bloß auf meiner Seite sein kann. Verhandle ich hingegen mit Menschen, so irren sie, dann ich, auch sie wieder und immer so fort, da stimmt nichts aufs Reine! Weiß ich mich aber in die Natur zu schicken, so ist alles getan."
Die Wissenschaft von den Altertümern und die mit ihr in so engem Zusammenhange stehende Kunstwissenschaft entbehrten bisher des Verkehrs mit der Natur, sie entbehrten der naturwissenschaftlichen Grundlage und mußten daher in ihren Ergebnissen nicht selten Irrtümer zeitigen. Es waren vielfach Hypothesen, die da gebildet wurden und die, wie die Erfahrung lehrt, nur allzuoft trogen.
Der Kenner beurteilte die Echtheit oder Unechtheit eines Gegenstandes bisher lediglich auf Grund der Erfahrung. Sie wird auch in Zukunft niemals entbehrt oder durch ein chemisches Verfahren ersetzt werden können. Für sich allein genügt sie aber jetzt um so weniger, als ja die Fälscher die Fortschritte der Chemie und Physik sowie der auf sie gegründeten Techniken wohl auszunützen verstehen.
In jüngster Zeit haben sich nun die Vertreter der Naturwissenschaften dieses Gegenstandes bemächtigt. Sie rückten den Altertümern und Kunstwerken, die man bisher fast ausschließlich auf Grund von Imponderabilien beurteilte und einschätzte, mit dem Rüstzeug der Laboratorien, sie rückten ihnen mit dem Mikroskop, mit der Mikrophotographie, mit Röntgenstrahlen und allen den sonstigen zahlreichen Hilfsmitteln zu Leibe, die die Naturwissenschaften der exakten Forschung in so reichlicher Menge zur Verfügung stellen. Es ergaben sich gar merkwürdige, gar unverhoffte Aufschlüsse: von manchem auf Grund von Imponderabilien gefällten, lange als unfehlbar erachteten Urteil erwies sich die Wahrheit des oben angeführten Goetheschen Wortes: „Da stimmt nichts!"
Keinem Gericht würde es einfallen, auf Grund hypothetisch-graphologischer Ausführungen ein Urteil zu fällen. Es wird stets den Gerichtschemiker zu Rate ziehen, der auf Grund seines Wissens und der ihm zur Verfügung stehenden analytischen Methoden den exakten Nachweis zu führen vermag, ob die Urkunde echt oder gefälscht ist. Sind