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Erich Schmitt - Ede der Tierfänger und andere Bildgeschichten [antikvár]

Ede der Tierfänger und andere Bildgeschichten [antikvár]

Erich Schmitt

 
Liebe Kinder!Immer wieder werde ich von Lesern gefragt, wie ich denn Zeichner geworden bin. So ganz genau läßt sich die Frage nicht beantworten. Als Vierjähriger soll ich aber bereits das Bedürfnis gehabt haben, das abzubilden, was ich gesehen hatte. Auf den Straßen Berhns gab es zu jener Zeit mehr Pferde als Autos. Und eines Tages nahm ich ein Stück Kreide und zeichnete auf den Fußboden unserer Wohnstube ein Pferd. Meine Mutter war sehr stolz auf ihren Sohn; wochenlang hat sie um die Zeichnung herum saubergemacht, so lange, bis alle...
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Liebe Kinder!Immer wieder werde ich von Lesern gefragt, wie ich denn Zeichner geworden bin. So ganz genau läßt sich die Frage nicht beantworten. Als Vierjähriger soll ich aber bereits das Bedürfnis gehabt haben, das abzubilden, was ich gesehen hatte. Auf den Straßen Berhns gab es zu jener Zeit mehr Pferde als Autos. Und eines Tages nahm ich ein Stück Kreide und zeichnete auf den Fußboden unserer Wohnstube ein Pferd. Meine Mutter war sehr stolz auf ihren Sohn; wochenlang hat sie um die Zeichnung herum saubergemacht, so lange, bis alle Verwandten und Bekannten sie gesehen hatten. Mein Onkel Gustav soll gesagt haben: Mensch, det Pferd lacht ja. Von da ab bekam ich Bleistift und Papier. Ein Zeichenblock war zu teuer. Mein Vater verdiente als Briefträger nicht viel. Doch jedes Blatt Einwickelpapier wurde glattgestrichen und meiner Zeichenwut überlassen. Später in der Schule hatte ich eine Schiefertafel. Im Zeichenunterricht brauchte ich beim Osterhasenmalen nicht abzugucken. Aber alle Klassenkameraden, die sich von mir die Osterhasen malen heßen, erhielten nicht die erhoffte Zensur, weil die Lehrerin erkannte, daß Klein Erich seine erste Massenproduktion gestartet hatte. Als ich zehn Jahre alt war, zogen meine Eltern in einen anderen Stadtbezirk. An der Ecke unserer Straße befand sich eine Eisdiele mit einem großen Angebot, nicht an Eis, sondern an Illustrierten. In jedem dieser Blätter gab es eine Witzseite. Das war meine Welt. Taschengeld konnten mir meine Eltern nicht geben. Also ging ich für andere Leute einkaufen oder holte ihnen Kohlen aus dem Keller, für'n Sechser oder Groschen. Und einmal in der Woche sah ich mir in der Eisdiele bei einer Portion Eis alle Zeichnungen und Karikaturen an.Ich freute mich, wenn das Schuljahr vorbei war. Dann bekam ich neue Hefte. In den alten waren aber immer noch ein paar leere Seiten zum Zeichnen, hurra! Eines Tages, im Jahre 1938, wurde ich aus der Schule entlassen. Der Ernst des Lebens fing mit einer Lehre als Maschinenschlosser an. Zum Glück gab es in der Berufsschule das Fach Technisches Zeichnen. Es war kein Problem für mich, einen Hochofen zu zeichnen. Nur das lustig aussehende Bedienungspersonal wollte dem Lehrer nicht so recht gefallen. Als der zweite Weltkrieg begann, wurde meine Lehrzeit von vier Jahren auf dreieinhalb verkürzt, weil ich Matrose werden sollte. Nun weiß ja jeder Schlagerfan, daß Matrosen einsam sind. Wer nicht singen kann, schreibt Briefe. Ich habe alle meine Briefe illustriert. Natürlich auch die Briefe meiner Freunde. Die erhielten diesmal bessere Zensuren. Der Krieg ging endlich zu Ende, aber als Maschinenschlosser konnte ich vorerst nicht arbeiten. Die Fabriken waren kaputt. Da habe ich als Schmied und Klempner mein Geld verdient. Ich besuchte ein Abendschule für Pressezeichner, und schon recht bald wurden meine ersten Zeichnungen in einer Zeitung veröffentlicht. Langer Rede kurzer Sinn: Es gab zwei Wege zur Karikatur. Erstens: ein Studium an einer Kunsthochschule - für mich war es nicht möglich. Zweitens: zeichnen, zeichnen und nochmals zeichnen - das war möghch!Häufig wird mir auch die Frage gestellt: Woher kommen deine Ideen? Die kürzeste Antwort ist: Aus dem Kopf. Gemeint ist das Gehirn. Das ist mein Computer, den ich mit Informationen futtern muß. Nur wenn man mit offenen Augen und Ohren herumläuft, 142

Termékadatok

Cím: Ede der Tierfänger und andere Bildgeschichten [antikvár]
Szerző: Erich Schmitt
Kiadó: Der Kinderbuchverlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3358000338
Méret: 170 mm x 250 mm
Erich Schmitt művei
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