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EDOUARD MANET
VO N der Erscheinung Edouard Manets wissen wir dieses, daß er von mittlerer Figur war, einen kurzen, breiten Vollbart trug, daß sein Haar blond, sein tiefliegendes Auge lebhaft, seine Haltung beweglich und höflich war. Er war elegant und trug sich nach der Mode der Zeit.
Über das Aussehen seiner Bilder finden wir in einer Broschüre von Emile Zola aus dem Jahre 1867 diese Beschreibung: ,,Seine Malereien sind blond und leuchtend, von einer soliden und festen Blässe. Das Licht fällt weiß und weit und erleuchtet die Gegenstände in sanfi:er Weise".
So wenig seine Erscheinung und seine Haltung etwas über seine menschlichen Qualitäten aussagen, so wenig ist das helle Aussehen seiner Bilder entscheidend für ihren Rang. Diesen Rang, den er freilich nicht begründet, scheint mir Paul Valéry mit folgenden Worten vortreflBich bestimmt zu haben: „Der Ruhm des Namens Manet wurde also gesichert durch die Qualität und vor allem die Verschiedenheit seiner Bewunderer. Diese einander so unähnHchen Liebhaber seiner Malerei versicherten übereinstimmend, daß sein Platz unter den Meistern gegeben sei, als welches die Männer sind, deren Kunst und Ansehen den Wesenihrer Zeit, den Blumen eines gewissen Tages, den vergänglichen Kleidern, dem Fleisch, den einmaligen Blicken, eine Art Dauer über einige Jahrhunderte hinaus verleihen und einen Wert der Betrachtung und Deutung, der dem einer heiligen Schrift vergleichbar ist."
Edgar Degas aber sprach, als Manet gestorben war, das kurze Wort, in dem vieles liegt: „Er war größer, als wir dachten."
Dieses alles bleibt zu begründen und zu vertiefen, indem man einen Abriß der einmaligen und aufiregenden Geschichte seiner Bilder gibt, die sehr im Gegensatz steht zur typischen und banalen Geschichte seines äußeren Lebens. Denn dieser gut angezogene Mann von korrekter Haltung, der mit breit karierter Weste und hohem Hut nachmittags im Café Tortoni saß, dieser gesellige Pariser, sehr „galant homme" und etwas Dandy, der lautlos durch eine konventionelle Welt glitt, führte scheinbar ein Doppelleben. Parallel mit dem ruhigen Leben des Bürgers, der die kleinen Gesetze seines Milieus respektierte, und das gleichzeitig