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Der Norweger Edvard Munch záhlt mit Cézanne, Gauguin, van Gogh, Hodler und Toulouse-Lautrec zu den Pionieren der modernen Kunst. Zur Zeit ihres Lebens weitgehend verkannt und mifiverstanden, gelten diese Meister heute als die Klassiker der Moderne, und ihr Werk wird mit Ehrfurcht und Bewunderung betrachtet. Vieles von dem, was in den folgenden Jahrzehnten, besonders im Expressionismus, weiterentwickelt wurde, manchmal in radikaler Form, hat in ihrem Werk bereits vor der Jahrhundertwende gültige Prágung erfahren. Zwei dieser Meister sind...
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Der Norweger Edvard Munch záhlt mit Cézanne, Gauguin, van Gogh, Hodler und Toulouse-Lautrec zu den Pionieren der modernen Kunst. Zur Zeit ihres Lebens weitgehend verkannt und mifiverstanden, gelten diese Meister heute als die Klassiker der Moderne, und ihr Werk wird mit Ehrfurcht und Bewunderung betrachtet. Vieles von dem, was in den folgenden Jahrzehnten, besonders im Expressionismus, weiterentwickelt wurde, manchmal in radikaler Form, hat in ihrem Werk bereits vor der Jahrhundertwende gültige Prágung erfahren. Zwei dieser Meister sind auch Graphiker von hohem Rang: Toulouse-Lautrec und Munch. Ihr graphisches Werk beginnt fast zur gleichen Zeit, in den Jahren 1891 bis 1894, und Munchs Bedeutung als Graphiker überragt noch seinen Ruhm als Maler. Eines der Südseegemálde Gauguins führt den Titel: Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir? Diese nachdenklichen Fragen erwartet man vielleicht am allerwenigsten in der traumhaften paradiesischen Welt, die Gauguin in der Südsee gefunden zu habén glaubte und in seinen Gemálden schilderte. Sie galten auch mehr der Situation in Európa, das Gauguin enttáuscht verlassen hatte. Den jungen Munch aber trieb es zu den Brennpunkten des geistigen und gesellschaftlichen europáischen Lebens: Oslo, Paris und Berlin waren seine wichtigsten Stationen. Ihm stellten sich die gleichen Fragen, und sein Werk wird in der Auseinandersetzung mit der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts immer deutlicher gewordenen Problematik menschlicher Existenz zu einer tiefgreifenden Analyse der menschlichen Situation in jener bewegten Zeit. Erfüllt von dem starken Verlangen, das Leben, wie er es in seinen Höhen und Tiefen selbst empfand, darzustellen, fafit Munch um 1888/89 den Plan, einen umfassenden Zyklus von Gemálden zu schaffen, einen Fries des Lebens: Er ist als eine Reihe zusammengehörender Bilder gedacht, die gesamthaft ein Bild des Lebens geben sollen ... das vielfáltige Leben mit seinen Sorgen und Freuden. DaB es Munch hierbei nicht um die Schilderung eines Lebcnslaufes in Genrebildern ging, macht schon ein flüchtiger Blick auf seine Arbeiten deutlich. Wie er spáter bekennt, war sein Werk geradezu eine Reaktion gegen den damals überhandnehmenden Realismus. Sein berühmter Ausspruch, man solle nicht mehr strickende Frauen und lesende Mánner malen, sondern Menschen, die atmen und fühlen, leiden und lieben, hat hier programmatische Bedeutung. Dabei ist es weniger das Motiv als solches, gegen das Munch polemisiert, sondern das Ausweichen vor der Gestaltung wichtiger Lebensprobleme in eine idyllische naturalistische Genremalerei. Spezieller kennzeichnet der Dichter Stanislaw Przybyszewski, mit dem Munch in Berlin Freundschaft schlieík, seine Absichten: Edvard Munch ist es, der als erster unternommen hat, die feinsten und subtilsten Seelenvorgánge darzustellen, denn mit der Vergegenwártigung bedeutsamer Lebensereignisse verbindet sich bei Munch unlöslich die Verdeutlichung der dabei erlebten seelischen Empfindungen. Darin ist Munch neben van Gogh bahnbrechend für die Entwicklung des Expressionismus geworden: in der Herausstellung des emotionalen seelischen Erlebnisses vorrangig vor dem visuellen. Dieses bloBzulegen galt ihm als wesentliche Aufgabe. Mit den herkömmlichen, zum Naturalismus neigenden Malformen der heimischen norwegischen Maierei, von der Munch ausging, war dieses Vorhaben nicht ausführbar. Es műiken neue Wege gefunden werden. Durch Vereinfachung der Form, Verzicht auf alles unnötige Detail, durch Intensivierung der farblichen Gestaltung und Konzentration auf das Hauptmotiv suchte Munch sein Ziel zu erreichen. Bei Gauguin, van Gogh, Toulouse-Lautrec und Hodler findet man ganz áhnliche Bestrebungen. Wie dieser neue Inhalt und die ihm dienende neue Form auf die Öffentlichkeit, ja selbst auf viele Künstler wirkten, zeigt am eindrucksvollsten der grofíe Skandal anláíMich Munchs Ausstellung 1892 in Berlin. Seine Bilder erregten ein solches Aufsehen und Befremden, dafi die Ausstellung auf Grund des Beschlusses einer knappén Mehrheit der Mitglieder des Vereins Berliner Künstler schon nach wenigen Tagén wieder geschlossen wurde. Beschámenderweise war es dieselbe Vereinigung gewesen, die Munch zu der Ausstellung eingeladen hatte. Doch dieser Vorfall brachte Bewegung in das Berliner Kunstleben. Das Neue setzte sich unaufhaltsam durch. Eine Gruppé fortschrittlicher Künstler erhob Protest gegen diese Verfahrensweise, der Kunstverein spaltete sich, und unter Liebermann und Leistikow kam es schlieíMich 1899 zur Bildung der Sezession, in der die impressionistischen Künstler dorninierten. Dafi Munch im Grundé schon cinen Schritt weiter war als die Sezession, ehet schon bei der erst elf Jahre spáter gegründeten Neuen Sezession stand, sei hier nur am Rande vermerkt. Dieser Mifíerfolg war dennoch ein Erfolg, ein scandale-succés, der seinen Ruf wesentlich mitbegründete. Munch fand Freunde und Gleich-

Termékadatok

Cím: Edvard Munch [antikvár]
Szerző: Werner Timm
Kiadó: Henschelverlag Kunst und Gesellschaft
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 240 mm x 280 mm
Werner Timm művei
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Vélemény:
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