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13- SEPTEMBER I920.
In mein einsames, trauriges Leben ist das Wunder gekommen. Das Wunder der Liebe So unerwartet kam das alles, so merkwürdig ist es, so unwahrscheinlich! Ich kann es noch immer nicht glauben, ich fürchte mich, an das Glück zu glauben; ich habe Angst vor dem Glück
Ich bin ganz still und demütig geworden. Ich denke nur an meinen Deutschen, an seine lieben braunen Augen, mit denen er mich so schalkhaft anblickte, als er mir mein Tagebuch zurückgab und sagte: »Ich kann Ihr Tagebuch nicht mitnehmen, denn ich fahre vorläufig noch nicht nach Deutschland!«
»Ja, geht denn Ihr Gefangenenzug nicht ab?« fragte ich ganz verwundert.
»Er geht ab, aber Sie würden ja doch nicht mit mir fahren können, und da muß ich eben hierbleiben!«
Seine Worte kamen mir so unerwartet, daß ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Es ging mir nur dunkel durch den Sinn, daß der Deutsche immerfort mit Sehnsucht von dem Augenblick gesprochen, der ihm die Rückkehr in die Heimat ermöglichen sollte, und jetzt will er hierbleiben in Rußland, in Sowjetrußland? Ist das möglich, kann das, darf das sein? Aber noch ein zweiter Gedanke durchzuckte da mein Gehirn: Ein Mensch, der solch ein Opfer bringen will, der muß dich lieben, mit echter, tiefer Liebe lieben!
Während ich dies dachte, blickte ich den Deutschen mit starren Augen an.
»Ich weiß nur das eine: Wenn ich jetzt fortfahre, werde ich Sie niemals wiedersehen!« sagte er leise, und in seinen Augen leuchtete eine unendliche Zärtlichkeit auf.
Da begann ich mich zu fassen. Langsam hob ich meine Augen zu ihm auf und, mit Mühe sprechend, sagte ich:
»Das dürfen Sie nicht tun! In Rußland bleiben, das ist Wahnsinn! Fahren Sie in Ihre Heimat, leben Sie wohl!«
Ich reichte ihm die Hand. In diesem Augenblick trat ein Leser ein, der ein neues Buch haben wollte. Der Deutsche begab sich zur Kartothek, und ich ging schnell zur Tür hinaus.
Ich nahm meinen Weg durch den Park. Wie im Traume ging ich dahin. Unter meinen Füßen raschelten die sterbenden, rotgoldenen Blätter. Leise, ganz leise rieselte ein feiner Regen vom grauen, trosdosen Himmel herab Aber in meiner Seele war Sonne, so viel Sonne! Freilich,