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Vorwort von Angelika Grunenberg
»Vielleicht ist Colette der einzige klassische Schriftsteller unserer Zeit. Leichte Mädchen und ältere Damen, junge Männer, verheiratete Frauen richten ihre Bekenntnisse, ihre Fragen, ihre Gewissensprobleme an sie . . . Man möchte immer an Vergil schreiben, an Cervantes, Benja-mnin Constant, Stendhal oder Proust, um zu erfahren, was sie an unserer Stelle tun würden. Von einem Klassiker erwartet man praktische Antworten, besondere Weisungen. Jedes klassische Werk liest sich wie ein Brief, der an die Menschheit adressiert ist.«
»Colette ist die einzige emanzipierte Frau in diesem Jahrhundert.«
Es war einmal vor hundert Jahren ein Garten in Burgund. Dort lebten unter der Obhut einer Fee, in friedlicher Eintracht, Menschen, Tiere und Pflanzen nach dem Rhythmus der Natur. Nie hätte uns die Kunde von diesem irdischen Paradies erreicht, wäre dort nicht auch ein kleines Mädchen aufgewachsen, das fünf wache Sinne und die Begabung einer Dichterin besaß. Und außerdem ein so perfektes Gedächtnis, daß es sich selbst am Ende seines langen Lebens noch der Gerüche, Farben, Formen, der Töne und Stimmen und auch der geringfügigsten Begebenheiten entsann. Dieses Mädchen mit dem dreieckigen Fuchsgesicht, den traurigen Augen, »diesem Mund wie ein Circonflex« und Haaren, »die so lang waren, daß man