Bővebb ismertető
Ikonen einer gegensiandsloson Well Ikone - bei diesem Wort denken wir zuerst an orthodoxe Kirchen und russische Bauernhäuser, sehen wir kostbare kleine Holztaleln vor uns, deren Goldgrund das Kerzenlicht reflektiert. Wir sehen die Gottesmutter und die Heiligen in statuarischer Strenge, über Jahrhunderte hinweg unangetastete Formen der Heiligkeit, Bild gewordene Schemata des Glaubens. Ikone - dabei denken wir heute jedoch auch an Kasimir Malewitsch und Andy Warhol, an die trotzig-provokativen Abbilder der Erkenntnis ,Gott ist lof. Auch die gegenstandslose Well hat Ihre Ikonen, ihre Biider Und der Blick auf die Moderne führt uns zurück zu den Vor-Bildern und dieser vergleichende Blick läßt uns erkennen, was wir verloren haben und was wir gewannen haben, Dieser Blick sei hier gewagt, als subjektive Suche und Entscheidung. Christliche Ikonen und moderne, konkrete Kunst. Das kleine, bei den Ikonen fast genormt wirkende Bildformat war Maßstab für die Auswahl der konkreten Werke; ein Sehen, das Nähe und Intimität zuläßt. Die Ikone nicht als religiöses Medium sondern als Gegenstand ästhetischer Reflexion, als Kunstobjekt, welches sie - gleich der mittelalterlichen Malerei in Europa - docti immer auch war Der aktive Betrachter ist gefordert, bei der Ikone wie beim gegenstandslosen Bild, denn ohne Konzentration, ohne ein meditatives Sicheinlassen auf das Objekt bleibt die ästhetische Betrachtung ein leeres Anstarren der Oberflächenphänomene Die Visualisierung des Absoluten ist das Thema, die Allgegenwart des Gottes oder die Allmacht der menschlichen Vernunft, Welten zukünftiger Harmonie oder die Freiheit des Geistes, die ewigen Gesetze des Glaubens oder der ti,^athematik. Die Unendlichkeit von Zeit und Raum, zur Anschauung gebracht in der monochromen Farbfläche, im Goldgrund der Ikone wie in der reinen WeiBform eines Zero-Bildes. Diese Wirklichkeiten sind unsk:htbar, also ist der Raum a-perspektivisch, nicht real, nicht illusionistisch sondern wahr. Oben und Unten, Innen und Außen sind hier keine physikalischen sondern geistige Orte, dienen der Orientierung des Denkens nicht des Sehens und beziehen ihre Wirksamkeit aus der Zweidimensionalität der Fläche Die geometrische Form diszipliniert das Denken; das Kreuz ist christliches Symbol aber zugleich auch ein Urprinzip menschlicher Orientierung, der Schnittpunkt von horizontal und vertikal. Seriell gereiht stehen weiQ bemalte Nägel oder kleine Holzkuben nebeneinander und untereinander wie die Heiligen des Kirchenjahres; vertikale Ereignislinien auf horizontalem Grund, Haltepunkte im chaotischen Strom von Zeit und Raum. Die aneinandergefügten Szenen einer Heiligen-Vita und daneben die Addition identischer Kupferplatten, mehr als dreihundert Jahre sowie ideologische Welten trennen die beiden Quadratraster und doch zeigen beide dasselbe, eng mit dem Additiven verknüpfte Prinzip, daß nämlich die Ganzheit als Summe der Teile jedes einzelne qualitativ verändert, unser Interesse weckt, Gleichheit und Verschiedenheit zu suchen. Ikone und modernes Bild, ledes soll für sich stehen. Doch vielleicht ist die Dominanz des Linearen, die Negation des realen Raumes, die Betonung der Materialität, die serielle Reihung und geometrische Formensprache, vielleicht sind alle diese Gestallungsprinzipien, die wir in der Ikonenmalerei wie in der konkreten Kunst entdecken können, doch mehr als nur zufällige Parallelen äußerlicher Merkmale Der Begrilf,Ikone' meint in unserer heutigen Sprache weitaus mehr als nur ,das Kullbild der Ostkirche'. Das Heute, die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts, ist nicht die stille Well der Athosklöster; das Wort Endzeit ist zu hören, Fin-de-sifecle-Stimmung, die Zeit der neuen Völkerwanderung, der politischen und sozialen Umwälzungen, der irreparablen Naturzerstörung, der Umwertung aller Werte Eine Ikone ist mehr als ein Bild, ist Ort einer Idee, Konzentrat eines geistigen Prinzips. Ikonen sind Abbilder des Unanschaulichen und gerade deshalb unverzichtbar für die gegenstandslose Wfelt der Moderne
Gabriele Kubier eikon - das Bild Christliche Ikonen und moderne Kunst Zweiunddreißig monochrome Quadrate, zu .Qualuors' gebündelt, formen dort, wo sie sich berühren, acht Kreuze, -das Geheimnis des Raumes ist das Kreuz,- (1) sagt Aurelie Nemours, die Künstlenn. aus deren .long chemin', dem langen Weg aus vierundsechzig Farbtafeln. sich diese Kreuze erheben, verdichten. Die Zahl des Kreuzes ist die Vier, mehr noch die Fünf, denn es bedarf des Schnittpunktes von Horizontaler und Vertikaler. Das Zentrum ist der Punkt, der Kreis, das Herz des Kreuzes. Das Quadrat umschließt das Kreuz. Die Tafeln sind schwarz, weiß, blau, rot, gelb. Aristoteles zählt den vier Elementen den gestirnten Himmel als fünftes hinzu; dem Schwarz der Erde. Wbiß der Luft, Blau des Wassers, Rot des Feuers folgt das Gelb der strahlenden Gestirne Von ihnen sagt Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert: lux non est corpus. (2) In prähistorischen Höhlenmalereien ist das Kreuz, eingebunden in den Kreis, Ortsmarkierung, Zeitzeichen, Symbol der Sonne des Lichts, der Gottheit? Es ist Teil der Ornamentik und Symbolsprache in allen Kulturen. Der aufgerichtet betende Mensch mit ausgestreckten Armen formt ein Kreuz, Felszeichnungen in der Sahara, Darstellungen der Babyionier, Assyrer und Ägypter, der Indianer und Eskimos zeugen von dieser Gebärde; das Ausstrecken der Hände nach Gott.