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Die Geschichte des Blaubuchs Zur dritten Auflage des Originals
Ich hatte in Goethe gelesen, wie er einmal die Absicht gehabt, ein „Breviárium Universale" zu schreiben, ein Erbauungsbuch für Bekenner aller Religionen. In meinen „Historischen Miniaturen" habe ich versucht, Gottes Ratschlüsse in der Weltgeschichte zu finden; ich stellte das Christentum in die Reihe ein, indem ich von Israel ausging, beging vielleicht aber den Fehler, den andern Religionen einen Platz an der Seite des Christentums zu geben, wahrend sie darunter hätten stehen müssen.
Ein Jahr verging. Ich fühlte mich von inneren JVlah-nungen bedrängt, ein ziemlich konfessionsloses Brevier zu schreiben: ein Wort der Weisheit für jeden Tag im Jahr. Zu dem Zweck sammelte ich die heiligen Bücher aller Religionen, um aus ihnen einen „Spruch" zu nehmen, über den ich schreiben konnte. Aber siehe da, diese Bücher erschlossen sich nicht! Veda, Zend waren versiegelt und gaben nicht einen Spruch her; nur der Koran gab einen; das war aber auch ein Löwe! (Seite 36.)
Da beabsichtigte ich den Plan zu ändern. Ich wollte rein weltliche Weisheit über Menschen schreiben und das Buch „Herbarium Humane" nennen. Aber ich schob die Arbeit auf, da ich vor der grossen Ausgabe und dem unreifen Plan bebte.
Da kam der 15. Juni 1906. Als ich meinen Morgenspaziergang machte, sah ich zuerst eine Strassen-
VII